Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
37/176 page 25
![Nahe verwandt mit diesen wesentlich technischen Erfindungen sind die mehr wissenschaftlichen der Sonnenuhren (γνώμονες), der Erdkarten (περίοδοι γῆς; 5. ob.) und Himmelsgloben (σφαῖραι), die nach glaubwürdiger Überlieferung”) zuerst Anaximandros von Milet verfertigt haben soll.) Ferner ist ebenso wie die Verbreitung auch die Vervollkomm- nung des griechischen Alphabets, namentlich durch die Hinzu- fügung der Zeichen für 8 und © von lonien ausgegangen, und zwar in der Zeit zwischen 620 und 556 vor Chr. (= Ol. 4o und 56); vgl. KirRCHHOFF, Stud. zur Gesch. d. griech. Alphab.' 5. 4of. Taf. I Kol. X. Beachtenswert erscheint in diesem Zusammenhang wohl auch der Umstand, daß von den bekannten sieben Weisen nicht weniger als zwei, nämlich Thales von Milet und Bias von Priene, Ionier gewesen sind, während den übrigen Hauptlandschaften des älteren Hellas nur je einer angehört haben soll. Ein weiteres Verdienst um die griechische Kultur erwarben sich die Städte Ioniens durch die Einführung und Vervollkomm- nung des zuerst in Lydien erfundenen Geldes und der mit dessen Herstellung verbundenen Prägetechnik (vgl. Heap, Histor. num. p. XXXV). Endlich muß hier noch kurz hingewiesen werden auf die ungeheuren Leistungen der altionischen Städte auf den Gebieten > 39) Dıeus, Fragm. ἃ. Vorsokrat.? IS. ı2, 3ff. 18 40) Von besonderer Bedeutung ist hier für uns die Nachricht, daß Anaxi- mandros ein Exemplar der von ihm erfundenen Sonnenuhr gerade in Sparta (ἐπὶ τῶν σκιοϑήρων) aufgestellt haben sollte (Diog. L. 2, ----2 = Diexs, Vorsokr.?], 12, 3 ff.). Dies wirft auf die Beziehungen Milets zu Sparta im 6. Jahrhundert ein helles Licht, ebenso wie die Notiz bei Cicero de div. I, 50, 112: ab Anaximandro physico moniti Lacedaemonii sunt, ut urbem et tecta linquerent armatique in agro excu- barent, quod terrae motus instaret, tum cum et urbs tota corruit et monte Taygeto extrema montis quasi puppis avolsa est. Vgl. Plin. n. h. 2, 191. Auch die Skias in Sparta war von einem ionischen Künstler (Theodoros v. Samos) erbaut (Brunn, Künstlergesch. ı, 35). Alles dies läßt auf einen regen Verkehr zwischen den Spar- tanern und Ioniern Kleinasiens um 600 v. Chr. schließen. Die Spartaner waren damals die auch von den Ioniern anerkannten politisch-militärischen Führer von Hellas, während Ionien auch den Spartanern als Sitz der höchsten Intelligenz und Kultur gegolten zu haben scheint: diese Anschauungen spiegeln sich noch deutlich in unserer Schrift von der Siebenzahl wieder (s. unten $. 26ff. u. 2gff.).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


