Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![des Handels, der Industrie‘) und der damit eng zusammen- hängenden Nautik‘) und Kolonialpolitik. So stand Ionien und namentlich Milet, was intellektuelle und materielle Kultur anlangt, gegen den Ausgang des 6. Jahrhunderts auf der höchsten Höhe (Herod. 5, 28 ἡ Μίλητος αὐτὴ τὲ ἑαυτῆς μάλιστα δὴ τότε ἀκμάδασα καὶ δὴ καὶ τῆς ᾿Ιωνίης ἦν πρόσχημα), als plötzlich die Perserflut hereinbrach und jene herrliche Kulturblüte teils für immer teils für lange Zeit vernichtete (Herod. 6, ı8ff. u. 31ff.). Wie tief schmerzlich auch die jenseits des Meeres wohnenden Hellenen durch das ihren kulturell so hochstehenden Stammes- genossen in Asien widerfahrene Unheil berührt wurden, beweisen namentlich die Athener, welche von der Vorsehung berufen waren, die Erben und Erhalter der bisher hauptsächlich durch die Ionier geschaffenen griechischen Kultur zu werden. Herodot berichtet uns (6, 21) die ergreifende Tatsache, daß die versammelten Zu- schauer bei der Aufführung der Μιλήτου ἅλωσις von Phrynichos in Thränen ausbrachen und ein strenges Verbot weiterer Auffüh- 41) Besonders berühmt war die milesische Wollenindustrie, die namentlich auch herrliche Teppiche lieferte (Athen. 553°. 691°. Schol. Arist. ran. 542; mehr b. Hermanns, Gr. Privatalt. 45, 12). Sie beruhte auf der Zucht edler Schafe (Athen. 540%). Dasselbe gilt auch von Samos (Hermann a. a. O.), dessen Schafe aus Milet stammten (Ath. 540%). Aber auch die Möbelfabrikation von Milet und Chios hatte ausgezeichneten Ruf (Kritias b. Ath. 28”. 486°); ebenso die Parfüms von Ephesos (Ath. 688£.) und Kolophon (Xenophanes Ὁ. Ath. 526”), die Kuchenbäckereien von Samos (Poll. 6, 78), die keramische Industrie von Chios (Ath. 3 £.), Samos (MüLLer, Hab.d. Arch. 8 62. Hermann a.a. 0.45, 9. BönLav, Aus ion. u.ital. Nekropolen 8.52 ff.) und Milet (Bönuav,a.a.0. S.73ff.) — Mehr über die genannten Industrien in den betreff. Städten b. BLümner, D. gewerbl. Tätigkeit d. Völker ἃ. klass. Altert. Leipz. 1869 5. 3ıf., 35f., 45ff. Ferner muß die Landwirtschaft Ioniens auf einer sehr ho- hen Stufe gestanden haben. Es werden besonders gerühmt der Wein von Chios (Ath. 28°ff. Poll. 6, 15. Steph. Byz. s. v. Χίος), von Milet (Ath. 29°), von Samos (Poll. 6, 82), von Klazomenai (Hermann a. 8. Ὁ. 26, 4), das Öl von Samos (Ath. 66f.), ferner die Erbsen von Milet (Ath. 55”), die Feigen, Trauben, Mispeln (ὁμόμηλις), Äpfel und Rosen von Samos,die zweimal jährlich geerntet werden konnten (Ath.653£.), die Kirschen von Milet (Ath. 51), die Pferde aus Kolophon (Hermanna.a.0. 16, 10), das Zypressenholz von Milet (Ath. 205”) usw. 42) Plin.n.h. 7, 207: biremem Damastes [auctor est] Erythraeos fecisse. — ib. 209: hippagum Samii [invenerunt.]. Vgl. auch Diogen. Laert. ı, 23: ἡ γὰρ eis αὐτὸν |Thales] ἀναφερομένη ναυτικὴ ἀστρολογία Φώκου λέγεται εἶναι τοῦ Σαμίου. Vgl. dazu Dieus, Vorsokr.? II, ı 5. 652: „Dieses altionische Schiffer- buch mit Sternbilderkatalog und Schiffsdistanzenberechnung (A 18. 20) ist ein Vor- läufer des Kleostratos (c. 70) und ein Gegenstück zu dem Hesiod zugeschriebenen Gedicht (c. 68°), —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


