Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![der Katastrophe gewesen sein, wenn unmittelbar nach den Perser- kriegen das so viel weniger bedeutende, obwohl unter Kyros von Mazares gründlich ausgeplünderte (Herod. τ, 161) Magnesia dem Großkönige so Talente zu entrichten imstande war. Aus allen diesen Ausführungen dürfte mit nahezu unumstöß- licher Sicherheit soviel hervorgehen, daß die Bezeichnung lIoniens als des Zwerchfells der Welt’ sich nur auf die Zeit vor der Verheerung durch die Perser beziehen kann. Für geradezu unmöglich, ja für undenkbar muß ich die Annahme erklären, daß irgend ein griechischer Schriftsteller des 5. Jahrhunderts (man denke z. B. an Herodot!), als Athen bereits die Herrin Joniens und der Mittelpunkt der hellenischen Kultur und Intelligenz ge- worden war, das von seiner Höhe tief herabgesunkene lonien noch immer als das “Zwerchfell der Welt’ habe bezeichnen können. Hierzu kommt noch, wie wir gleich zeigen werden, der gewich- tige Umstand, daß außer Ionien noch die Peloponnes (d. 1. Lake- dämon und seine Bundesgenossen) und der Isthmos (d. i. Korinth) geflissentlich in der Schrift über die Siebenzahl hervorgehoben, dagegen Attika und Athen vollkommen ignoriert werden.) Wir werden auch hieraus schließen müssen, daß der Verfasser jener Schrift einer Zeit angehört haben muß, in der Athen nur erst eine verhältnismäßig geringe Rolle gegenüber lonien, Sparta und Korinth spielte. 2) Kopf und Gesicht der Welt die Peloponnes, der Wohnsitz hochgesinnter Männer. Um zum richtigen Verständnis dieser bedeutungsvollen Worte zu gelangen, werfen wir zunächst die beiden Fragen auf: a) Was bedeutet der Vergleich der Peloponnes mit dem Kopf und Gesicht eines Menschen? b) Welche Eigenschaften der Peloponnesier werden durch den Ausdruck hochgesinnt bezeichnet? 44) Wie wäre das möglich gewesen im Zeitalter des Hippokrates und De- mokritos (beide geboren um 460), von denen letzterer klagt: ἦλθον eis ᾽4 ϑήνας καὶ οὔτις μὲ ἔγνωκεν (Diog. L. 9, 36 = Diers fr. 116; vgl. Cic. Tusc. 5, 36, 104)? Vgl. Gomperz, Griech. Denker! 1, 256: „Vielleicht hat ihn [Demokr.] die Kränkung darüber, daß er trotz seiner ungeheuren Mühen und Leistungen in der Kapitale des griech. Geisteslebens ein Unbekannter blieb, dazu veranlaßt, sich zum He- rold seines eigenen Ruhmes zu machen.“ |](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


