Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![Wir antworten darauf: Der Vergleich bezieht sich nicht bloß auf die äußere Gestalt der Peloponnes (und des Isthmos), die in der Tat mit einem auf einem Halse (dem Isthmos’ von Korinth) aufsitzenden Kopfe eine gewisse Ähnlichkeit hat”), sondern vor allem auf die politisch- historische Bedeutung der Peloponnes als des bis zu den Per- serkriegen unbestrittenen Hauptes‘) und der jahrhunderte- lang niemals eroberten festen Burg“) sämtlicher Hellenen, weil sie der burgartige Sitz der durch männliche Tapferkeit und muster- gültige Mannszucht (κόσμος) ausgezeichneten Lakedämonier und ihrer peloponnesischen Bundesgenossen war. Wir ziehen aber aus jenem Vergleiche abermals den Schluß, daß der Verfasser von x. ἑβδομάδων in einer Zeit gelebt haben muß, als die Hege- monie Spartas noch von allen Hellenen diesseits und jenseits des Meeres sowie von den auswärtigen Großmächten anerkannt war.) Dies im einzelnen zu begründen, soll nunmehr unsere Aufgabe sein. 45) Noch häufiger ist, namentlich in der späteren geographisch und karto- graphisch fortgeschrittenern Zeit, der Vergleich mit einem Platanenblatte, dessen Stil natürlich der Isthmos bildet (vgl. Strab. 2, 83. 8, 335, Dion. Per. 404 und Schol. Plin. 4, 9). 46) Man denke an κεφάλαιον im Sinne von „die Hauptsache, das Wichtigste, Hauptperson, Hauptmann“ usw., sowie an κεφαλή als den wichtigsten Teil des le- benden Körpers schon bei Homer. 47) Vgl.z.B.B 117: ὃς δὴ πολλάων πολίων κατέλυσε κάρηνα -ΞΞ 124. Hier bedeutet κάρηνα soviel wie ἀκροπόλεις; ἀκρόπολις aber τῆς “Ελλάδος war nach Eu- stath z. Dion. Per. 403 eine gewöhnliche Bezeichnung der Peloponnes bei den παλαιοί. Vgl. auch Plut. Q. conv. 3, I, 3, 8: ἀποτειχίζουσιν [τὰ ἄνϑη] τὴν κεφα- λὴν ἀπό τῆς μέϑης ὡς ἀκρόπολιν. Liv. 22, 32, 5: caput atque arx Italiae urbs Romana. ib. I, 55. 37, 18. — Ganz wundervoll tritt das Bild der Peloponnes als der sicheren Burg von Hellas im Gegensatz zu dem so gefährdeten Ionien und Milet hervor in der Geschichte, die Leotychidas den Athenern erzählt (Herod. 6, 86): ἐπικίνδυνός ἐστι αἰδί κοτε ἣ Iwvin, ἡ δὲ Πελοπόννησος ἀσφαλέως ἱδρυμένη. 48) Dies war auch schon die Ansicht Lırtr&s; vgl. dessen Ausgabe Bd. VII p. 632: “C’est dans ce möme $ qu’il designe le Peloponnese comme le sejour des grandes ämes. Il ne peut avoir en vue, que Sparte, et ses vaillants eitoyens. Pro- bablement cette phrase a ete eerite quand la ville bätie sur le bord de l’Eurotas avait encore la suprematie dans la Hellade. Probablement aussi la reflexion pro- vient d’un homme qui, entre les deux grands partis divisant la Grece, le part lace- demonien et le part athenien [Ὁ], inelinait pour le premier’. Offenbar denkt Lirtr£ hierbei an die politischen Verhältnisse des ausgehenden 5. Jahrhunderts, während ich behaupte, daß hier nur die Zeit vor den Perserkriegen gemeint sein kann!](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


