Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![“olympische Welt’ an die Odyss. ἕ 42 ff. gegebene Schilderung des in den Himmelsäther hineinragenden Olymps, das ἄχριτον πάγος dagegen an den οὐρανὸς χάλκεος, πολύχαλκος, σιδήρεος Homers er- innert. Das Wahrscheinlichste ist mir freilich die Annahme, daß Galen Recht hat, wenn er als erste und oberste Sphäre, sowie als ἀρχή die des Äthers betrachtet, aus der sich wie bei Anaximander die unteren durch Aussonderung entwickelt haben. Diese oberste Sphäre würde natürlich auch der Ursitz der Wärme, d.i. des Feuers und des Lichtes, sein, jenseits derselben aber (μετὰ τὸν κόσμον) eine nicht mitgezählte Sphäre der absoluten Kälte sich befinden, in der alles fest gefroren und infolgedessen leblos ist; diese Vorstellung ist natürlich aus dem altepischen Bilde des festen Himmelsgewölbes hervorgegangen. Sehr schwer sind auch die Worte {δίοδον διόδους Ὁ διεξόδους ἔχουσαν Ὁ) ϑέρεος καὶ χειμῶνος — transitum [-us?] haben<tem, -tes?) aestatis et hiemis zu verstehen, die Galen in seinem Kommentar fol. 3 durch den Hinweis auf den am oder im Himmelskreis be- findlichen Zodiakus und die Sterne, die eigentlichen Ursachen der Jahreszeiten’ (s. x. &ßd. Kap. 2: 5. 76f.), zu erklären sucht. Vielleicht liegt hier die Vorstellung zweier übereinander lagernder Sphären, einer kalten aus festem Eis (χρύσταλλος, πάγος) bestehenden, jen- seits der eigentlichen Welt befindlichen (μετὰ τὸν κόσμον) und einer heißen und leuchtenden (des Äthers) zugrunde, die als na- türliche Quellen (= δίοδοι, διέξοδοι, transitus?)'®) aller Kälte (ψυχρόν) und Wärme (ϑερμόν), also auch des Winters und des Sommers, gedacht werden. Wir werden in Kapitel τὸ sehen, daß die für das Leben der organischen Wesen nötige Wärme aus den RBRe- gionen des Äthers und der Sonne, die ebenso notwendige Kühle aber zunächst aus der atmosphärischen Luft‘) und weiter wohl aus dem μετὰ τὸν κόσμον befindlichen ἄκριτος πάγος stammt, der mit der durch Kälte entstandenen festen Haut des Menschen ver- glichen wird. 108) Vgl. die Charakteristik von Sphäre III: τρίτην (ra&ıv) ἡλίου δίοδον [= transitum] ϑερμασίαν ἔχοντα [?] und π. διαίτ. 1, 10 = Dieus Vors.? I, 83, 12: περὶ δὲ ταύτην [κοιλίην = ϑαλάσσης δύναμιν] ψυχροῦ καὶ ὑγροῦ σύστασιν, διέξοδον πνευ- ματος ψυχροῦ καὶ ϑερμοῦ. Vgl. auch Kap. 9, wo dreimal διέξοδος vorkommt. 109) Nach x. φυσῶν 3 = VI p. 94 Lirre& ist die Luftregion (πνεῦμα) die Ur- sache (αἴτεον) von Winter und Sommer: ἐν μὲν τῷ χειμῶνι πυκνὸν καὶ ψυχρὸν γινό- μενον, ἐν δὲ τῷ ϑέρει πρηὺ καὶ γαληνόν.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0071.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


