Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![bar der erste Vertreter der Lehre von der Erdkugel gewesen ist. Während Anaximandros der in der Mitte des kugelförmigen Welt- alls freischwebenden Erde die Gestalt einer Säulentrommel (zior λίϑος) oder Zylinders (κύλινδρος) 5), Anaximenes die einer runden Tischplatte (γῆ πλατεῖα ἐπ᾿ ἀέρος ὀχουμένῃη Hippol. Ref. τ, 7, 4; τραπεζοειδής Aöt. 3, Io, 3; vgl. Aristot. de caelo p. 294” 13} zu- schrieb'*”), gehört der Verf. von #. &ßd. zu denjenigen Physikern, die, wie wahrscheinlich schon Xenophanes'”®) und sicher Parme- nides'”) sowie die älteren Pythagoreer (ZELLER' 1, 392, 2; 526, 2), die Kugelgestalt der Erde gelehrt haben. Ja ich nehme im Hin- blick auf die sonstigen Spuren von höchster Altertümlichkeit in seinen Theorien unbedenklich an, daß unser Physiker der erste griechische Philosoph gewesen ist, der aus der Annahme einer Kugelgestalt des, Weltalls (s. ob. S. 67f.) die naheliegende richtige Folgerung von der in seinem Mittelpunkte ruhenden von allen Punkten der Peripherie gleich weit entfernten Erdkugel gezogen hat. Diese Annahme widerspricht nun freilich auf den ersten Blick ganz entschieden der wohl auf Theophrast (s. ob. Anm. 5) zu- rückgehenden Notiz bei Diog. L. 9, 21: πρῶτος δὲ οὗτος (Παρμ.) τὴν γῆν ἀπέφαινε σφαιροειδῆ καὶ ἐν μέσῳ κεῖσϑαι. aber der Wider- spruch wird gegenstandslos, wenn man bedenkt, daß, wie ILBERG a. a. Ö. höchst wahrscheinlich gemacht hat, bereits Platon die Schrift x. ἑβδομάδων für ein Werk des Hippokrates gehalten hat, während sie doch nach allen Anzeichen mindestens 100 Jahre älter sein muß. So konnte Theophrast, der natürlich erst recht 136) [Plut.] Strom. 3 = Disus? I, 13, 33: πυλινδροειδῆῇ. ---- Hippol. Ref. 1,6, 3 = Dmus? 1, 14, 6: κίονι λέϑῳ παραπλήσιον. S. oben 8. 68 Anm. 128. 137) Nach Zeuuer‘ I, 625, 2 legte auch Heraklit wahrscheinlich der Erde die Gestalt einer Walze oder Platte (nicht einer Kugel) bei, ebenso die Atomiker (a. a. Ο. 800, 3) und Anaxagoras (902). 138) H. Berger (Sächs. Ber. 46 [1894] S. 63) schreibt bereits dem Xeno- phanes die Hypothese von der Erdkugel zu, der bereits Anaximander durch seine Annahme einer Himmels- oder Weltkugel mächtig vorgearbeitet habe. Unser Hebdomadiker scheint wiederum der Lehre des Xenophanes und Parmenides vorge- arbeitet zu haben. 139) Aöt. 8, 48 = Ders? I ται, 38: (Pythagoras) ἀλλὰ μὴν καὶ τὸν οὐρα- νὸν πρῶτον ὀνομάσαι κόσμον καὶ τὴν γῆν οτρογγύλην, ὡς δὲ Θεόφραστος (Phys.Op. 17) Παρμενίδην, ὡς δὲ Ζήνων ἩΗσίοδον. Diog.L. 9,21. Aöt. 3,15, 7 ΞξΞ Dies? 111,40: Παρμ.. Δημόκριτος διὰ τὸ πανταχόϑεν ἴσον ἀφεστῶσαν μένειν ἐπὶ τῆς ἰσορροπίας οὐκ ἔχουσαν αἰτίαν δι᾿ ἣν δεῦρο μᾶλλον ἢ ἐκεῖσε [= κάτω, ἄνω, ἐκ δεξιῆς, ἐξ ἀριστερῆς: 5. oben S. 70 den Text!] ῥέψειεν ἄν.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


