Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![daß die durchgehenden <d. h. vorübergehenden) Sterne nicht einen und denselben Standpunkt einnehmen. Vor allem haben wir hier abermals die hohe Altertümlich- keit der Astronomie unseres Verfassers hervorzuheben. Offenbar hat er noch keine Ahnung von der zuerst von den Pythagoreern erkannten Siebenzahl der Planeten, die er bei seinem deut- lichen Streben, möglichst viele Hebdomaden in der Natur der Dinge nachzuweisen, sich gewiß nicht hätte entgehen lassen, wenn er sie gekannt hätte. Statt der Planeten nennt er vielmehr die ‘sieben’ paarweise geordneten Gestirne, welche im ältesten Kalender der Griechen, d.h. nach der uralten volkstümlichen Auffassung des älteren Epos, die ‘Zeiten’ oder besser die “Jahreszeiten’ (ὧραι) 5) bestimmen, nämlich: Mond, Sonne; Arktos, Arkturos; Plejaden, Hy- aden; Seirios, Orion. Wie man auf den ersten Blick erkennt, werden hier statt der angekündigten sieben Gestirne nicht weniger als acht in vier Paaren angeordnete aufgezählt, so daß es sich fragt, welches von den acht genau genommen ausgelassen werden muß, damit die unzweifelhaft beabsichtigte Siebenzahl herauskommt. Um diese für unseren Zweck und überhaupt für das astronomische Ver- ständnis des Ganzen wichtige Frage zu lösen, habe ich mich an den besten lebenden Kenner dieser Dinge, Prof. GINZEL in Berlin, den Bearbeiter der neuen Auflage von Idelers Chronologie, ge- wendet und von ihm mit freundlichster Bereitwilligkeit folgende briefliche Auskunft erhalten. „Wenn die genannten Gestirne zur Andeutung der Jahres- zeiten verwendet werden, so können meines Erachtens nicht die καὶ ἐναντίωσιν. Καὶ γὰρ ἐκ δεξιῆς τῆς τῶν ὡραίων ἕστερίδιος Ödevovor..... ἔχειν ὁδοῦ τὰ ἄστρα — Sehr gewaltsam um, wenn er vermutet: ταῦτα --- ἐναντίωσιν πρὸς ἐκδοχὴν τῶν ὡρέων καὶ μεταβολήν καὶ γὰρ ἐκ δεξιῆς τῆς τῶν ὡρέων ἐς τὰ ἀρισ- τερὰ ὁδεύουσι, ὥστε μὴ μίαν στάσιν ἔχειν ὁδοῦ τὰ ἄστρα διϊόντα. Die Stelle ist gewiß leichter zu heilen: ταῦτα --- ἐναντίωσιν κατὰ τὴν ἐκδοχὴν τὴν τῶν ὡρέων καὶ ἑτεροίωσιν ὁδεύουσι δὲ οὕτως, ὥστε κ. τ. Δ. Vgl. die Übersetzung: Haec autem signa sequentia habent invicem et contrarietatem ad expectationem temporum et immutationem. Pergunt autem ita ut etc.’ [Harper]. 151) Auf die Deutung des Ausdrucks ὧραν kommt hier sehr viel an, d.h. es fragt sich, ob ὧραι im allgemeinen als “festbestimmte Zeiten’ (vgl. Herakl. fr. 126* D.) oder speziell als ‘Jahreszeiten’ zu fassen sind. Je nachdem müssen in der Auf- zählung der sieben’ Gestirne, die eigentlich acht (vier Paare) sind, entweder mit Ginzeu (s. unt.) der Mond oder etwa die Hyaden ausgelassen werden,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0088.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


