Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1911
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Credit: Über Alter, Ursprung und Bedeutung der Hippokratischen Schrift Von der Siebenzahl : ein Beitrag zur Geschichte der ältesten griechischen Philosophie und Prosaliteratur / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![Luftzug.) Der Ursprung der Winde wird durch ihre Namen bezeichnet: aus der warmen'“) Gegend kommt der Apeliotes, daran schließt sich der Boreas, es folgt der Arktias, der Zephyrus, der Lips, der Notus, der Eurus.') Diese Winde wehen in be- stimmter Zeitfolge.'“) Galen fol. 14° z.d. St. (vgl. πλανήσι[ν])}: Oft werden sie [die Winde] von ihrer Richtung abgelenkt, ja nehmen bisweilen eine der ursprünglichen entgegengesetzte Richtung. — Hippokrates denkt sich den Vorgang, wie wenn wir die Luft einziehen; und wie durch das Einatmen der Luft die innere, verderblich wirkende Hitze des Tieres oder der Pfianzen in wohltuender Weise ge- lindert wird, so wirkt auch der Wind belebend. ὃ. Anm. 160. Trotz der miserabeln, ım einzelnen schwer zu verbessernden Überlieferung, läßt sich bei genauerer Prüfung folgendes mit großer . Sicherheit feststellen: a) Es gibt sieben periodisch wechselnde, aus sieben ver- schiedenen Himmelsgegenden wehende Winde. b) Diese Winde sind: Apeliotes, Boreas, Arktias, Zephyros, Lips, Notos, Euros. Weggelassen oder ignoriert wird also der Argestes (NW). c) Charakteristisch ist hier die Aufeinanderfolge der Winde. Der Autor beginnt mit dem Apeliotes im reinen Osten, geht dann linkshin zum Norden über und beschließt seinen Kreislauf mit 160) GILBERT, D. meteor. Theorien 8. 517 u. Anm. 3 hält diese Idee für py- thagoreisch (vgl. 5. 543, 1). Er beruft sich dafür auf Aristot. nat. ausc. 4, 6, 7: Εἶναι δ᾽ ἔφασαν καὶ οἵ Πυϑαγόρειοι κενόν, καὶ ἐπεισιέναι αὐτὸ τῷ οὐρανῷ ἐκ τοῦ ἀπείρου πνεύματος ὡς ἀναπνέοντι καὶ τὸ κενόν, ὃ διορίζει τὰς φύσεις. Aus unserer Schrift erhellt aber, daß die Vorstellung vom atmenden Makrokosmos bereits vor- pythagoreisch sein muß. Vgl. auch Galens Kommentar z. ἃ. St. 161) Unter der „warmen Gegend“, aus welcher der OÖ und OSO kommt, ist wohl das nördliche Mesopotamien und Syrien zu verstehen. Vgl. Aristot. Meteor. 2, 6, 12: τὰ ἀπηλιωτικὰ ϑερμότερα. 162) Man beachte hier die Reihenfolge der Winde, welche im Osten, also zur Rechten des nach N blickenden Beobachters, ihren Anfang nimmt, dann nach links (N) sich wendet und schließlich wieder im Osten, also der für günstig geltenden Himmelsgegend zur Rechten des Beschauers (STEnGEL, D. griech. Kultusaltertümer? S. 53) endet. Vgl. Plut. de plac. phil. 2, 10: Πυϑαγόρας, Πλάτων, ᾿Δριστοτέλης δεξιὰ τοῦ κόσμου τὰ ἀνατολικὰ μέρη, ἀφ᾽ ὧν ἡ ἀρχὴ τῆς κινήσεως, ἀριστερὰ δὲ τὰ δυτικά 5. τ. λ. 163) Vgl. darüber die trefflichen Auseinandersetzungen bei NEUMANN-PARTSCH, Phys. Geogr. v. Gr. 8. gofl. Abhandl. ἃ. Κι S. Gesellsch. ἃ. Wissensch., phil.-hist. Kl. XXVILL v. 6](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29003714_0093.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


