Volume 1
Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek.
- Czapek, Friedrich, 1868-1921.
- Date:
- 1913-1921
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Credit: Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek. Source: Wellcome Collection.
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![Ostwald und Bredig eher einem Schmiermittel der Dampfmaschine im obigen Bilde vergleichen, welches die Reibungswiderstände stark ver¬ mindert. Es ist sehr nützlich, derartige Vorstellungen festzuhalten gegen¬ über der aus älterer Zeit stammenden, zuerst von Liebig (1) ausgesprochenen Anschauung, daß sich bei gärungserregenden Stoffen die Bewegung, in welcher sich deren Atome befinden, den Atomen der spaltbaren Substanz mitteile, wodurch die Spaltungen eingeleitet würden. Besonders war es auch Nägeli (2), welcher derartige Vorstellungen über Fermentwirkung vertrat und den „Schwingungen von Atomgruppen“ eine ausschlaggebende Wirkung zusprach. Auch bei neueren Biologen stößt man vielfach auf diese Anschauungsweise. Abgesehen davon, daß diese Theorie von un¬ bewiesenen Voraussetzungen ausgeht und sich überdies, wie Ostwald mit Recht hervorgehoben hat, gänzlich unfruchtbar gezeigt hat, verstößt sie gegen die Grundgesetze der Energetik, weil sie darauf hinausläuft, daß der Katalysator ohne Energiezufuhr freie Energie liefert, d. h. ein perpetuum mobile herbeiführen müßte. Die Katalyse kann die Reaktionsgeschwindigkeit vermehren oder vermindern, also den Reaktionsablauf beschleunigen oder verzögern. Bis in die neueste Zeit waren nur die in der Regel viel auffälligeren Reak¬ tionsbeschleunigungen bekannt: „positive“ Katalysen. Wir kennen aber jetzt bereits eine ganze Reihe von Fällen sehr ausgeprägter katalytischer Reaktionsverzögerungen, „negativer“ Katalysen, von denen besonders die sehr merkwürdige Herabsetzung der Oxydationsgeschwindigkeit von Na¬ triumsulfit durch Spuren von Mannit, Benzolderivaten, Glycerin usw. [Bigelow (3)] und die Verlangsamung der Oxydation von Zinnchlorür durch Alkaloide [YoungW] namhaft gemacht werden sollen. Verzögernde Wirkungen haben insbesondere Bredig und seine Mitarbeiter hinsichtlich der Katalysen durch Metallsole bekannt gemacht. Spuren von Blausäure, Jod, Schwefelwasserstoff vermögen die Wirksam¬ keit von Platinsol auf die Wasserstoffsuperoxydspaltung stark herabzu¬ setzen. Man kann diese „Giftstoffe“ als „Antikatalysatoren“ oder „Para- lysatoren“ bezeichnen. Nach den Untersuchungen von Titoff(5) über die negative Katalyse der Oxydation von Natriumsulfit beruht die Wirkung von Mannit usw. darauf, daß die im destillierten Wasser vorhandenen, enorm stark katalytisch beschleunigend wirkenden Cu-Spuren durch den negativen Katalysator gebunden werden. Es ist selbst nicht ausgeschlossen, daß ein und derselbe Stoff bei manchen Katalysen als Aktivator fungiert, während er andere Katalysen hemmt. So weiß man wohl, daß Gegenwart von Wasser Reaktionen wie die Vereinigung von C02 und Ätzkalk oder die Verseifung von Estern stark beschleunigt (6). Hingegen wird die Katalyse der Esterbildung durch starke Säuren nach H. Goldschmidt und Sunde (7), sowie der Zerfall von Oxalsäure in C02 + CO -{- H20 in konzentrierter Schwefel¬ säure nach Bredig (8) durch sehr kleine Spuren von Wasser stark ver¬ zögert. 1) J. Liebig, Pogg. Ann., 48, 106 (1839). — 2) C. v. Nägeli, Theorie der Gärung, p. 29 (1879). — 3) S. L. Bigelow, Ztsch. physik. Chem., 26, 493 (1898). — 4) S. W. Young, Journ. Amer. Chem. Soc., 23, 119 (1901); 24, 297 (1902). Auch Bredig, Ergeh. (1902), p. 142, wo weitere Fälle zitiert sind. — 5) A. Titoff, Ztsch. physik. Chem., 45, 641 (1903). — 6) Rohland, Chem.-Ztg., 30, 808 (1906). R. Kremann, Yerh. Nat. Ges. (1905), II, (1), 83. — 7) H. Goldschmidt u. Ein. Sünde, Ber. Chem. Ges., 39, 711 (1906). — 8) G. Bredig u. W. Fraenkel, Ebenda,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359541_0001_0110.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


