Volume 1
Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek.
- Czapek, Friedrich, 1868-1921.
- Date:
- 1913-1921
Licence: Public Domain Mark
Credit: Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek. Source: Wellcome Collection.
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![Katalyse durch Metallsole, welche durch elektrische Zerstäubung von Metalldrähten unter reinem Wasser erhalten wurden. Solche Kolloid¬ lösungen haben recht beständige Wirksamkeit. Das Platinsol, welches höchstens 1 Grammatom Platin auf 1000 Liter Wasser enthält, zerlegt H202 kräftig, bläut Guajac-Harzemulsion auch ohne H202-Zusatz und be¬ schleunigt deutlich die Nitritreduktion zu NH3 durch Wasserstoff. Diese Katalysatoren sind ebenso leicht dosierbar wie lösliche Stoffe, und es hat Bredig näher ausgeführt, wie interessante Vergleichspunkte sich zwischen diesen Kolloiden und den Enzymen eröffnen, welche wir ja heute am besten ebenfalls als kolloide Katalysatoren von spezifischer Wirkungssphäre auffassen. Besonders die H202-Katalyse durch Platinsol ist durch Bredig eingehend untersucht worden. Die Wirkung ist noch nachweisbar in einer Verdünnung von 1 Grammatom Platin auf 70 Millionen Liter Wasser auf die mehr als millionenfache Menge H202. In nahezu neutraler oder schwach saurer Lösung verlaufend, stellt die Platinkatalyse des H202 eine Reaktion erster Ordnung dar; sie ist praktisch vollständig zu Ende zu führen. Hydroxylionen steigern die Platinwirkung erheblich, doch nur bis zu einer gewissen Konzentration (z. B. V64 normal NaOH); konzentriertere Laugen verzögern die Reaktion. Vermindert man die Konzentration des Platinsol in geometrischer Progression, so sinkt auch die Geschwindigkeitskonstante der Peroxydkatalyse in geometrischer Pro¬ gression. Höhere Temperatur fördert die Reaktion stark, ohne daß sich ein Optimum ergeben würde. Gegen Erhitzen sind diese Katalysatoren wenig empfindlich. Die Katalyse des IJ202 durch kolloidales Palladium- sol folgt nach Bredig und Fortner(I) denselben Gesetzen mit geringen Modifikationen. Die katalytische Beeinflussung der Autolyse durch Metallsole ist sehr deutlich (2). Auch die Iridium-H202-Katalyse gehorcht dem Zeitgesetze unimole- kularer Reaktionen [Brossa(3)]; der Temperaturkoeffizient wurde hier mit 1,6 bestimmt. Platin wie Iridiumsol wirken nach Bredig und Sommer (4) stark auf die Reduktion von Methylenblau durch Formal¬ dehyd; die reduzierende Wirkung der. Ameisensäure auf Methylenblau wird durch Platinsol gleichfalls katalysiert. Über die Messungsmethodik bei Metallsolkatalysen wolle man die Darlegungen von V. Henri (5) vergleichen. Wichtig sind ferner die Erfahrungen Bredigs über die Hemmung der Metallsolkatalysen durch Spuren von SH2 (noch 0,000003 Mol im Liter wirkt stark verzögernd), Blausäure, Jod, Phosphor, Sublimat und einigen anderen Stoffen. Auf Iridiumsol ist nach Brossa Jod wirkungs¬ los, und Alkalien fördern die Wirkung nicht wie bei Platinsol. Diese hemmenden Wirkungen erklärt man mit Bredig am besten durch die Annahme, daß der hemmende Stoff die wirksame Oberfläche des Platins chemisch verändert, z. B. durch Bildung von Sulfit oder Cyanür. Nach längerer Zeit „erholt“ sich das Platin von der „Vergiftung“ und wird neuerlich wirksam, indem sich durch Verbrennung der Blausäure die wirksame Oberfläche wieder herstellt. Blausäure „vergiftet“ übrigens nur Platinsol, nicht aber auch Platinmohr. Da wir in den Enzymen relativ sehr empfindliche und leicht veränderliche Katalysatoren kennen, 1) Bredig u. M. Fortner, Ber. Chem. Ges., 37, 798 (1904). — 2) Ascoli u. Izer, Berlin, klin. Woch.schr., 4, 96 (1907). — 3) G. A. Brossa, Ztsch. physik. Chem., 66, 162 (1909). — 4) G. Bredig u. F. Sommer, Ztsch. physik. Chem., 70, II, 34 (1910). — 5) V. Henri, C. r. Soc. Biol., 60, 1041 (1906).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359541_0001_0118.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


