Volume 1
Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek.
- Czapek, Friedrich, 1868-1921.
- Date:
- 1913-1921
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Credit: Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek. Source: Wellcome Collection.
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![und sich auch auf negativ verlaufene Versuche berief, in welchen Hafer in reinem kohlensauren Kalk kultiviert worden war. Saussure lehrte nun die Unentbehrlichkeit der Aschenstoffe, und zeigte durch eine große Anzahl von Aschenanalysen, den ersten in ihrer Art, daß zwischen Aschenzusammensetzung und Entwicklungszustand der Pflanzenteile ge¬ setzmäßige Beziehungen obwalten. Es war ihm völlig klar, daß es der Pflanze nicht auf organische Nahrung im Boden ankommt, sondern auf die im Bodenwasser gelösten Aschenstoffe; er wußte, daß man diese Aschenstoffe quantitativ in der Pflanze wiederfindet, so wie sie dem Boden entnommen sind, und nicht etwa im Organismus gebildet werden. Diese Grundwahrheiten wurden erst viel später Gemeingut der Wissen¬ schaft, und bis auf die (auch heute noch nicht gänzlich aufgeklärte) aktive lösende Wirkung der Wurzeln im Boden hat man eigentlich nichts hinzu kennen gelernt. Die Recherches chimiques von Saussure sind in der Regel das¬ jenige Werk, worauf man beim Studium von Spezialfragen zurückgeht, und es könnte eine allgemeine historische Einleitung zur Biochemie der Pflanzen mit der Würdigung dieses Werkes ganz wohl ihren Abschluß finden. Von hier an teilt sich der Strom der Wissenschaft in eine Anzahl von Armen, und wir geben weitere historische Daten am besten in den einzelnen Kapiteln dieses Werkes. Nur die Marksteine der biochemischen Forschung im 19. Jahrhundert, die Einführung von Anschauungen und Methoden der allgemeinsten Bedeutung mögen zum Schlüsse dieser historischen Übersicht gebührend hervorgehoben werden. Das Schicksal der pflanzlichen Ernährungslehre lag in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz in den Händen der Chemiker, und eine glückliche Fügung war es, daß die großen Chemiker dieser Zeit fast sämtlich, wie ein Davy, Dumas, Berzelius und Liebig für die biologische Chemie ein warmes Interesse hegten; die „poetischen Pflan¬ zenphysiologen“, wie sie Berzelius mit feiner Ironie einmal nannte, lagen ja in den Banden einer wenig fruchtreichen naturphilosophischen Richtung (l). Jedes Jahr brachte damals die Entdeckung einer außerordentlich großen Zahl von Kohlen Stoff Verbindungen aus dem Pflanzenreiche, und das Studium dieser reichen Ernte beherrschte die gesamte Chemie. Durch Berzelius, Dumas und Liebig erhielt die Wissenschaft exakte Methoden, um die Grundstoffe der organischen Verbindungen quantitativ zu bestimmen, und dadurch eine genaue Charakteristik der organischen Stoffe zu ermöglichen. Alle diese Substanzen galten als spezifische Produkte der Organismen. Berzelius (2) schrieb: „Ihre Bildung ist der organischen Natur Vorbehalten und scheint der chemische Zweck der Organisation zu sein.“ Gerechtes Aufsehen mußte es daher erregen, als 1828 durch Wöhler (3) die Möglichkeit gezeigt wurde, Harnstoff syn- 1) Vgl. hierzu auch F. Runge, Neueste phytochemische Entdeckungen, p. VII (1820). — 2) Berzelius, Gilberts Ann., 42, 37 (1812). — 3) F. Wöhler, Über künstliche Bildung des Harnstoffs, Pogg. Ann., 12, 253 (1828). „Eine auch in¬ sofern merkwürdige Tatsache, als sie ein Beispiel von der künstlichen Erzeugung eines organischen, und zwar sogenannten animalischen Stoffes aus unorganischen Stoffen darbietet“ (Wöhler, 1. c.). Wieweit die Auffassung der Dinge wenige Jahre später gediehen war, zeigt eine interessante Äußerung von Dumas aus dem Jahre 1836 (Handbuch d. angew. Chemie, V\ Journ. prakt. Chem., 7, 298 [1836]). „Es drängt sich mir die Überzeugung auf, daß die organische Chemie von der unor¬ ganischen durchaus nicht wohl getrennt werden kann. Denn man wird doch nicht im Ernst behaupten wollen, daß das Cyan und der Kohlenwasserstoff, welche beide](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359541_0001_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


