Volume 1
Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek.
- Czapek, Friedrich, 1868-1921.
- Date:
- 1913-1921
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Credit: Biochemie der Pflanzen / von Friedrich Czapek. Source: Wellcome Collection.
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![erscheinen zu lassen (1). Was die Schädigungen selbst anbelangt, so deuten alle Momente darauf hin, daß die Plasmahaut der Sitz jener deletären Ver- änderung ist [Maximow (2)]. Daß bestimmte Stoffe, wie Glucose, die Kälte¬ resistenz von Pflanzenzellen erheblich steigern [Lidforss (3)J, beruht weder auf der Gefrierpunktserniedrigung noch auf einer Verhinderung der Eiwei߬ aussalzung durch Kälte, welcher letztere Faktor in Betracht käme, wenn nach der Annahme von Gorke (4) der Kältetod eine Wirkung von Eiwei߬ aussalzung wäre. Vielmehr geht, wie Maximow gezeigt hat, diese Schutz¬ wirkung ganz parallel der Lage des eutektischen Punktes der betreffenden Stoffe. So schützen Mannit, Na2S04 und andere Stoffe mit hochgelegenem eutektischen Punkt sehr wenig, während die Wirkung der Glucose, NaCl, Natriumacetat mit sehr niedrigem Kryohydratpunkt eine recht bedeutende ist. Solche Schutzstoffe sind bei Pflanzen des Gebirgsklimas reichlicher vorhanden als bei Pflanzen der Ebene (5) und ähnliches darf man wohl für die arktische Flora erwarten. % Aktive Temperaturänderung durch Selbstregulierung sehen wir in der Temperatursteigerung nach Verwundungen und in der manchmal sehr starken Wärmeerzeugung durch „thermophile Bacterien“, durch atmende Samen und Blüten. Bei den warmblütigen Tieren spielen be¬ kanntlich diese Prozesse eine äußerst wichtige Rolle zur Erhaltung des Gleichgewichtes der Lebensvorgänge. Die Erscheinung, daß in einer gleichförmigen Lösung Konzentrationsverschiedenheiten auftreten, wenn ein Teil der Flüssigkeit eine andere Temperatur annimmt als die übrige Lösung, bezeichnet man als „Ludwig sches Phänomen“. Sehr schön kann man dasselbe in dem von Abegg (6) angegebenen Apparat demon¬ strieren. Hierbei spielt einmal der höhere osmotische Druck in der wärmeren Partie eine Rolle, dann aber auch das Verteilungsgesetz. Der bedeutende Einfluß des Aggregatzustandes der rea¬ gierenden Stoffe auf Eintritt und Verlauf von Reaktionen ist eine sehr alte chemische Erfahrung. Lösungen herzustellen, wenn ein Stoff in Reaktion treten soll, ist auch für den Organismus ein wichtiges Hilfs¬ mittel, von welchem der ausgiebigste Gebrauch gemacht wird. Anderer¬ seits ist Herstellung von Verbindungen festen Aggregatzustandes, von unlöslichen Stoffen oft das beste Mittel, wenn Stoffe aus dem Reaktions¬ getriebe ausgeschaltet werden sollen. Auf letzterem Wege lagert die Pflanze ebensowohl Reservematerial zu künftiger Benützung ab (Stärke, Fett) als auch „Sekrete“ wie Harze, Terpene, die niemals wieder in den Stoffwechsel eintreten, wie auch Giftstoffe, z. B. Oxalsäure als unlös¬ liches Kalksalz. In Lösung bieten einander zwei Stoffe gleichsam ideal große Oberfläche dar. Eine Annäherung an diesen Fall bildet die möglichst feine Emulsion von nicht mischbaren Flüssigkeiten, welche z. B. bei der Fettresorption im Organismus eine wichtige Rolle spielt. Die biochemische Bedeutung von Trennungsprozessen wird uns wirksam durch die eben erwähnte Herstellung unlöslicher Verbin¬ dungen in der Zelle in verschiedenen Fällen illustriert. Filtrationen, die der Chemiker so häufig zur Trennung fester Stoffe von Flüssigkeiten an wendet, finden wir auch in der lebenden Pflanze als wichtige Beein- 1) H. W. Fischer, Beitr. Biol. d. Pfl., io, 133 (1910). — 2) N. A. Maximow, Ber. Botan. Ges., 30, 52, 293, 504 (1912). — 3) B. Lidforss, Die wintergrüne Flora, (Lund 1907). — 4) H. Gorke, Landw. Versuchsstat., 63, 149 (1906). — 5) Marie u. Gatin, Botan. Zentr., 122, 6 (1913). — 6) R. Abegg, Ztsch. physik. Chem., 26, 161 (1898). Über Thermoendosraose ferner G. Lippmann, Compt. rend., 145, 104 (1907).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31359541_0001_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


