Die Funktionsprüfung des Auges und ihre Verwertung für die Allgemeine Diagnostik : für Ärzte und Studierende / von O. Schwarz.
- Schwarz, Otto, 1861-
- Date:
- 1904
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Credit: Die Funktionsprüfung des Auges und ihre Verwertung für die Allgemeine Diagnostik : für Ärzte und Studierende / von O. Schwarz. Source: Wellcome Collection.
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![weg) ist durch gekreuzte Großhirnaffektion bedingt (die Augen sehen den Großhirnherd an). Bei paralytischer Ablenkung mit gekreuzter Extre- mitätenlähmung (die Augen sehen nach den gelähmten Extre- mitäten hin), und ebenso bei isolierter paralytischer Ablenkung ist ein zur Blicklähmung gleichseitiger, d. h. gleichnamiger Brückenherd anzunehmen (die Augen sehen vomBrückenherd weg). Kombination einer Ex^remitätenlähmung mit Lähmung eines gekreuzten Abducens oder Facialis (oder beider Nerven zusammen) weist ebenfalls auf einen Herd in (oder an der Basis) der Brücke hin, Kombination mit gekreuzter Okulomotorius- lähmung auf den Hirnschenkel (aber auch Stirnhirntumor ist möglich, besonders wenn die Extremitäten nur mäßig paretisch sind [Bruns]). Alle diese kombinierten Lähmungsformen werden unter die Bezeichnung Hemiplegia alternans zusammengefaßt. Organische Konvergenzlähmung ist ebenfalls Brücken- symptom. Blicklähmung nach rechts oder links entscheidet bei Zweifel zwischen Meningitis und Enkephalitis für letztere (besonders bei Kindern wichtig, damit nicht irrigerweise tuberkulöse Meningitis diagnostiziert wird); Lähmung einzelner Augenmuskel- nerven dagegen spricht in einem derartigen Fall für Meningitis. Spastische konjugierte Ablenkung der Augen und des Kopfes ist fast stets durch Großhirn erkrankung bedingt; bei Zweifel zwischen urämischem, diabetischem und apoplektischem Koma spricht sie für die letzte Form. Reine Ophthalmoplegia exterior, mit oder ohne Ptosis, ist, besonders wenn sie längere Zeit als solche besteht, durch nukleäre Erkrankung bedingt; bei langsamem Auftreten ist Lues oder progressive Ophthalmoplegie anzunehmen, bei akutem Auftreten unter Kopfschmerz und Benommenheit liegt Poliencepha- litis superior vor. Lähmung aller drei Augenmuskelnerven eines Auges nebst Störungen des ersten Trigeminusastes, mit oder ohne einseitige Sehnervenstörung, ist auf eine Affektion in der Gegend der Fissura orbitalis superior (meist Periostitis) zu be- ziehen; einseitige Lähmung eines oder mehrerer Augenmuskelnerven mit oder ohne Hemianopsie auf die mittlere Schädelgrube oder den Sinus cavernosus (Aneurysma der Karotis!)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21286759_0331.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)