Die Tuberculose der menschlichen Gelenke sowie der Brustwand und des Schädels : nach eigenen Beobachtungen und wissenschaftlichen Untersuchungen / von Franz König.
- Franz König
- Date:
- 1906
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Credit: Die Tuberculose der menschlichen Gelenke sowie der Brustwand und des Schädels : nach eigenen Beobachtungen und wissenschaftlichen Untersuchungen / von Franz König. Source: Wellcome Collection.
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![alter Zeit Dach der Eröffnung die Candidaten für acute Infection, so er- liegen sie auch heute noch öfters der chronischen. Multiple C* elcnkerkrankiuigeii. Wir müssen an dieser Stelle auf einige Fragen mehr allgemeiner Natur ein- gehen. Zunächst ein Wort über Muitiplicität tuberculöser Gelenkerkrankungen. Solche treten in der Regel nicht plötzlich mit einem Mal in vielen Gelenken auf, sondern es erkrankt ein Gelenk, nach längerer Zeit ein zweites und eventuell noch mehrere. Oft ist die Erkrankung in dem einen Gelenk der in dem anderen ähnlich, d. h. es findet sich stets ostale oder primär synoviale Erkrankung. Derartige multiple Erkrankungen sind oft von schlechter Prognose, insofern es sich um einen gemeinsamen schweren Erkrankungsherd handelt, von welchem aus die einzelnen Gelenke meta- statisch erkranken. Das gilt besonders für solche Formen, welche sich gleichsam wie ein acuter Gelenkrheumatismus entwickeln. Wiederholt habe ich dieselben bei Merenphthise, aber auch bei schwer eitriger Lungen- affection auftreten sehen. Einige Male handelte es sich um tuberculös- eitrige Formen. Aber neben diesen Fällen mit schlechter Prognose giebt es auch solche multiple Formen, bei welchen man wegen des milden Ver- laufs Zweifel an ihrer tuberculösen Natur hat. Ich habe solche zumal bei Kindern beobachtet, und hier sind oft Zweifel berechtigt, weil auch nicht- tuberculöse Formen von chronischer Gelenkaffection bei Kindern beobachtet werden. In den immerhin seltenen Fällen, welche ich sah, erkrankten kurz nacheinander eine Anzahl von Gelenken unter Erscheinungen, welche zur Annahme einer granulirenden Synovitis Anlass geben. Es kommt vor, dass die Erkrankung in einem oder dem anderen Gelenk vollkommen zurückgeht, da, wo sie bleibt, behält sie ihren chronisch-rheumatischen Charakter gleich dem wirklichen chronischen Rheumatismus. In Frankreich hat man sich in letzter Zeit wiederholt mit der in Rede stehenden Form beschäftigt. Französische Forscher (Poncet und Leriche, Sitzung der Academie de medecine, 15. März 1906) haben in letzter Zeit der Tuberculose als eines entzündlichen Reizes auf Gelenke und Knochen, welche man besonders bei Formen von geringfügiger latenter Tuberculose beobachten soll, eine Ausdehnung eingeräumt, welche weit über die eigentliche Gelenkerkrankung hinausreicht. Sie lassen dieselbe die wesentliche Rolle spielen bei den Knochengelenkaffectionen der heranwachsenden Jugend (Skoliose, pes planus, valgus etc.). Wie für den chronischen Rheumatismus giebt sie den Reiz zur Ent- wicklung der drei Stadien (Knochenverödung [Rareficirung], Hyperostose, Knochen- erweichung [Osteomalacie]). Sie erkennen keine Spätrhachitis an. Die Dystrophie ist die Tuberculose (möglicherweise auch einmal Staphylococcus). Dazu kommt die mechanische Belastung. Während der Erweichung wirkt der Tuberculosereiz. Darauf folgt die con- densirende Ostitis. Man muss gespannt sein, wie die Autoren diese Annahme begründen. Man kann zweifelhaft sein, ob es sich in solchen Fällen multipler Gelenkerkrankung' nicht um einen Infectionsmodus handelt gleich dem der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21172535_0057.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)