Die Tuberculose der menschlichen Gelenke sowie der Brustwand und des Schädels : nach eigenen Beobachtungen und wissenschaftlichen Untersuchungen / von Franz König.
- Franz König
- Date:
- 1906
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Credit: Die Tuberculose der menschlichen Gelenke sowie der Brustwand und des Schädels : nach eigenen Beobachtungen und wissenschaftlichen Untersuchungen / von Franz König. Source: Wellcome Collection.
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![sich dabei noch um secimdäre Erkrankung der Unterleibsdrüsrn, der Leber und Milz oder Nieren, so bleibt oft nur die Amputation übrig, die dann aber unter Umständen ein ausserordentlich günstiges Heilmittel ist. Nicht selten pflegt auch unter solchen Umständen eine bestehende schwere Lungen- erkrankung bis zu einem gewissen Grad rückgängig zu werden. Die Arthrektomie hat nicht das erfüllt, was man sich von ihr ver- sprach, wenn sie auch nicht selten Gutes leistet. Zum Beleg dieses Ausspruchs verwerthe ich die Zahlen meines Berichts über das Kniegelenk. Innerhalb der Berichtszeit wurden in meiner Klinik 150 Arthrektomien ausgeführt. Drei Menschen (2 pCt.) starben nach der Operation, 23 in der Berichtszeit, etwa 17pCt. (diese Zahl stimmt ungefähr mit der der allgemeinen Sterblichkeit an Gelenk- tuberculose Leidender, hat also mit der Operation an sich nichts zu thun). 111 unserer Operirten wurden geheilt (74 pGt.), und zwar nur ein kleiner Procentsatz (etwa 8 pCt.) mit beschränkt beweglichen Gelenken. Von unseren Geheilten gingen 11 schlecht. Steif gerade heilten 76. 24mal waren die Glieder krumm, zum Theil in sehr unangenehmer Winkelstellung. Auffallend ist aber, dass nur 27 (30 pCt.) keine Verkürzung hatten (die Majorität der Operirten waren Kinder [128]). Sämmtliche übrigen hatten Verkürzung (bis zu o1/2 cm 40, stärkere bis zu &1/2 cm 20, sehr erhebliche bis zu 20 cm 7). Stellen wir den Arthrektomirten die Resecirten gegenüber, wobei wir bemerken, dass es sich hier fast nur um ältere Personen handelt, so starben von den 298 Operirten direct im Anschluss an die Operation 6 und während der Dauer der Nachbehandlung 23. Zur Erklärung erinnern wir an die Thatsache, dass es sich wesentlich um schwere Fälle, zum grossen Theil mit Abscessen und Fisteln handelte. 222 Kranke wurden heil und gebrauchten die Extremität. 175 mal war das Glied gerade steif, soviel sich ermitteln liess, waren 48 mal die Glieder und zwar meist ganz leicht gekrümmt. Nur in einem geringen Procentsatz fanden sich stärkere Verkrümmungen, und zwar besonders bei Operirten aus dem jugendlichen Alter. Verkürzungen hatten von 47 Personen unter 18 Jahren über 3 cm 20. Unter diesen waren wesentlich solche, welche bereits vor der Operation erhebliche Wachsthumsstörungen hatten (bis zu 10 cm). Im Durchschnitt kommen auf diese Gruppen 4—5 cm, bei den im späteren Alter Operirten hatte die Mehr- zahl bis zu 6 cm Verkürzung, eine geringe Zahl, meist solche, welche schon früher stärkere Verkürzung hatten, bis zu 10 cm Verkürzung. Aus den zusammengestellten Zahlen der Arthrektomirten und der Resecirten geht hervor, dass die Zahl der Todten im Anschluss an die Operation grösser ist bei der Resection. Die Erklärung dafür liegt aber zum grossen Theil nicht in der Schwere des Eingriffs, sondern in der meist viel schwereren Erkrankung, welche die Resection indicirte. Dagegen sind functionell die Resultate wenig verschieden. Etwa 75 pCt. der Operirten beider Kategorien bekamen durch die Operation brauchbare Extremitäten. Die Hoffnung, dass in einem grösseren'Procentsatz durch die Arthrektomie Beweglichkeit der Gelenke erzielt würde, bewies sich als trügerisch. Auch waren, was man garnicht erwartet hatte, in functioneller Beziehung die arthrektomirten Kindergelenke durch Flexionsstellung zum Theil fast un- brauchbar, und auch die Verkürzung in extremen Graden spielt merkwürdiger](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21172535_0071.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)