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Credit: Karl Ernst von Baer / [Wilhelm Haacke]. Source: Wellcome Collection.
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![Es leuchtet von selbst ein, daß die Frage Wodurch oder durch welche Mittel (quibus auxiliis) ein ganz anderes Ziel hat und eine ganz andere Lösung fordert als die Frage Wozu (quem in finem). Aber eben deshalb kann die eine Untersuchung die andere nicht ersetzen. Dennoch hat man beide miteinander verwechselt, obgleich sie nichts gemein haben als ein Verständnis — hier der Naturvor- gänge — zu erstreben. Diese Verwirrung hat zuerst die teleologischen Bestrebungen in Mißkredit gebracht, denn deren Verwerfung ist zuerst von den Naturforschern ausgegangen. Damit ist es ungefähr so zugegangen: So lange man von chemischen Verbindungen und Trennungen nur sehr unklare Begriffe hatte, war es nicht möglich, sich bestimmte Vorstellungen über die Bildung der Stoffe, Ab- scheidungen und Ausscheidungen in einem organischen Körper, und namentlich im menschlichen, zu bilden. Die Chemie erhielt erst mit Lavoisier in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine feste Basis, und sie entwickelte sich sehr rasch, so daß auch die organischen Verbindungen, die schwerer in ihrer Zusammensetzung zu erkennen sind, allmählich erkannt wurden. Natürlich gewann man damit eine viel bestimmtere Einsicht in die Vorgänge des Stoff- wechsels innerhalb der organischen Körper, und da man sich bald überzeugte, daß dieselben physikalischen und chemischen Gesetze, die wir in den unorganischen Körpern der Erde herrschen sehen, auch in den organischen wirksam sind, was man zurzeit] der Blüte der Naturphilosophie wenigstens zum Teil noch bezweifelte, so fühlte man das Gewicht der Naturnotwendigkeit ebenso tief, wie die Be- deutung der auf experimentellem Wege neu gewonnenen Bereicherungen der Kenntnisse. Was man von den gegenseitigen Beziehungen der Teile — ihrem sogenannten Nutzen — wußte, war größtenteils schon sehr aker Besitz und wurde deshalb mißachtet. Man verwarf also teleologische Bestrebungen als nicht gewinnbringend, übersah dabei aber, daß man sie mißachtete, weil sie Allgemeingut geworden waren. Wie sehr aber auch die Berücksichtigung der Ziele der einzelnen Operationen und Teile des organischen Leibes berechtigt ist, wird man fühlen, wenn man versucht, Laien einen populären Vortrag über Physiologie zu halten. Sie werden schwerlich eine klare Ein- sicht gewinnen, wenn man nicht die Ziele oder den sogenannten Nutzen besonders hervorhebt. Dagegen kann man einen streng](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28035136_0153.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


