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Credit: Karl Ernst von Baer / [Wilhelm Haacke]. Source: Wellcome Collection.
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![wohl in allen Fächern sehr fleißig, trieb Karl mit besonderer Vor- liebe Mathematik. Außerdem hatte er bei Blasche Unterricht in Fortifikation und Artilleriekunst. Er scheint denn auch eine Zeit- lang den ihn für den Soldatenstand bestimmenden Plänen seines Oheims geneigt gewesen zu sein, ging aber auch seinen natur- wissenschaftlichen Neigungen gern nach, benutzte jede Gelegenheit zu botanischen Ausflügen und sammelte außer Pflanzen auch Insekten, Muscheln, Knochen und Steine, worüber sich ein aus der Revaler Zeit stammendes Oktavheft, „Das Verzeichnis meiner Sammlungen, noch im Besitz des Greises vorfand. Seine naturwissenschaftlichen Liebhabereien und die früher durch Glanstroem empfangene Anregung dürften Karl Ernst von Baer zum Studium der Medizin veranlaßt haben. Daß seine Liebe zur Botanik hierbei die Hauptrolle spielte, ist nicht zu bezweifeln. Denn gerade der Medizin gegenüber hat er zwar keine Abneigung, aber auch keine besondere Zuneigung empfunden. Sie bot ihm indessen, was sich von der Botanik damals noch weniger sagen ließ, als heute, Aussicht auf ein Auskommen und war mit den Naturwissenschaften noch einigermaßen innig verbunden. Mit ihrer Hilfe ist denn auch Baer der große Naturforscher geworden, den wir in ihm verehren. Doch hat Baer selbst einmal fest geglaubt, er habe seinen Beruf verfehlt, sei eigentlich zum Historiker bestimmt gewesen. Auf der Ritterdomschule zu Reval blieb Karl Ernst von Baer bis zum Jahre 1810. Er nannte später diese Revaler Zeit seinen poetischen Lebensabschnitt. In sie fallen denn auch seine ersten Versuche in der Dichtkunst, gesammelt in einem kleinen Oktavheft mit der Aufschrift: „Poetische Aufsätze, gesammelt von C. E. Baer aus den Jahren 1807 und 1810. Bei dieser Sammlung hat sich auch Baers Revaler Mitschüler, Eduard Johann Aßmuth, später Prediger zu Torma in Livland, noch später Propst,] beteiligt, dem Baer in schwärmerischer Zuneigung und inniger Freundschaft ver- bunden war. Die Liebe zu dem Jugendfreund bestimmte Baer, entgegen dem Wunsche seines Vaters, seiner Pflegemutter und seines inzwischen in Deutschland mit der Fortsetzung seines medizinischen Studiums beschäftigt gewesenen, von deutschem Leben und deutscher Wissenschaft begeisterten Lehrers Glanstroem, nicht auf eine deutsche Hochschule, sondern, für die erste Zeit wenigstens, auf die neu-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28035136_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


