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Credit: Karl Ernst von Baer / [Wilhelm Haacke]. Source: Wellcome Collection.
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![fasern zur Ruhe zu bringen, denkt er dann lieber an die Tages-t] arbeit gar nicht mehr. Ein Vortrag wird dem Zuhörer in der Regel nicht viel mein j geben, als die Anregung; reife Früchte bringt doch nur die Selbst- ; beschäftigung. Stellt sich der Vortrag mehr die Aufgabe, das Geftl dächtnis zu bereichern, sei es mit Bildern, sei es mit Namen, sqj werden sich diese während des Vortrages nicht tief einprägen unc;i gewiß leichter verloren gehen, als wenn man sich bemüht hat, sictj sich einzuprägen, und bei ihnen lange genug verweilen konnte, urnli sie sich geläufig zu machen. In philosophischen Vorträgen, wo e«| besonders darauf ankommt, Begriffe und darauf begründete For- b derungen zu entwickeln, ist der Vortrag allerdings wichtiger als einet : Masse Notizen. Aber das Selbststudium nach einem Buche gib*: auch hier den Vorteil, den ganzen Gedankengang immer wieder er- neuern zu können, um sich zu prüfen, ob man ihn übereinstimmend mit dem eigenen Denken und Bedürfnis findet oder nicht. Eirj| philosophisches Kollegium müßte vollkommen nachgeschrieben werden* um auf diese Art benutzt werden zu können, aber bei vollständigem- Nachschreiben wird man den philosophischen Aufbau kaum kritisch' beurteilen können, und es dürfte besser sein, man hat das Hef!£ schon vorher, entweder lithographiert oder gedruckt. Eine einsichts- das philosophische sowohl als das empirische, und zwar eine von einem erfahrenen und umsichtigen Mann, der in der betreffenden : Disziplin vollkommen orientiert ist. Man sieht, worauf Baer zieht lange Jahre hindurch selbst einer gewesen ist. Er glaubt aber, sia sollten sich mehr angelegen sein lassen, das Selbststudium des Studierenden zu leiten. Und zwar wird diese Leitung für die ver- schiedenen Fächer ganz verschieden sein müssen. Ja, in Disziplinen» die weniger auf Bereicherung des Gedächtnisses, als auf Ausbildung der Urteilskraft gerichtet sind, würde ein umsichtiger Professor sogan nach den Individuen und ihren Bedürfnissen verschiedene Werkü für das Studium empfehlen. Wir machen es ja auch im gewöhn-* liehen Leben nicht anders und empfehlen die Bücher, die wir deij; Befähigung und Vorbildung des Lernbegierigen angemessen finden* volle Leitung wird das Selbststudium aber immer mächtig fÄrH^mi Er hält nicht etwa die Professoren für überflüssig, nachdem ei Daß man jetzt auf guten Universitäten die Studierenden ifl](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28035136_0080.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


