Abhandlungen zur vergleichenden Anatomie des Auges / von H. Grenacher.
- Grenacher, H. (Hermann), 1843-1923.
- Date:
- 1884
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Credit: Abhandlungen zur vergleichenden Anatomie des Auges / von H. Grenacher. Source: Wellcome Collection.
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![dass er in der g-eiiaiinteii, sowie in einer naclilier ers'cliieneiien Arbeit*) die Grenzen der Vergleiclibarkeit des Cephalopodenauges mit andern Sehorganen weit enger ab- steckte, als es früher für zulässig galt, und daraufhin die Terminologie reformirte, so dass sie nicht mehr in dem vorher beliebten Stile ein vages Spielen mit vermeint- lichen Homologieen, die höchstens Analogieen sind, gestattet. Die ganze sich darin ausi)rägende Auftassungsweise hat natürlich allenthalben, wo noch Sinn für wissen- schaftliche .Methodik vorhanden war oder erweckt werden konnte. F^ingang und Beifall gefunden; nur vereinzelt treten gelegentlich noch Autoren auf mit der Prätension, die Hensen'schen Deutungen zu Aviderlegen, was aber ihrem Verständniss für wissen- schaftliche Behandlung m(»r]iliologischer Fragen in meinen Augen wenigstens ein keineswegs günstiges Zeugniss ausstellt. Wenn zum Beispiel neuere Autoren über das Cephalopodenauge aus dem Verlaufe der Blutgefässe in demselben „mit zwingender Logik alle Theile des Vertebratenauges an ilim demonstriren wollen, so halte ich diesen Standpunkt für einen genau so naiven, wie den alten, welcher den Kopfknorpel der Cephalopoden auf den VertebratenSchädel reducirbar liielt. So einschneidend Hensen's Bemühungen in diesem Punkte auch waren, so sind sie doch vielleiclit nicht radical genug gewesen. Dies erklärt sich aber, wie Hensen selbst (1. c. pag. 156) auch ausspricht, aus dem Umstand, dass zu jener Zeit eine lieilie von )ii(dit unAvichtigen Momenten aus der Entwickelung des Cepha- lopodenauges nocii nicht bekannt geworden waren. Diese sind seither geliefert worden, und aus ihnen ergiebt sich mit aller nur wünschenswerthen Bestimmtheit die Berechtigung zur Zurückweisung solclier Velleitäten, wie die obenerwähnten Ver- suche der Zurückführung aller oder einzelner Theile des Ce})halopodenauges auf die Constituentien des Wirbelthierauges. Ich selbst habe in einer schon vor 1() Jahren er- schieneiien Arbeit über die Entwickelung eines seiner Abstammung nach leider noch immer unbekannten Cephalopodenembryo **) mit voller Bestimmtheit aussprechen können, dass die erste Anlage des Auges der Tintenfische durchaus mit der bleibenden Form des Auges der Schnecken übereinstimmt, und dass Alles, was sonst bis zur Aus- bildung der typischen Bestandtheile des C'ephalopodenauges hinzukommt, Neubil- dungen sui generis sind; d. h. also mit andern Woiten, dass die Ce]dialopoden hin- *) V. Hensen, Ueber den Bau des Schneckenauges und über die Entwickelung der Augen- theile in der Thierreilie, in: Arcb. f. mikr. Anat. Vol. II. 1866. pag. 390—429. Taf. XXI. **) H. Grenacher, Zur Entwickelungsgescbichte der Cephalopoden. Zugleich ein Beitrag zur Morphologie der höhern Mollusken, in: ZtBchft. f. wiss. Zool. Vol. XXIV. 1874. pag. 419 — 498, Taf. 39—42. — Vgl. bes. pag. 483—489.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21635766_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


