Die Krankheiten der oberen Luftwege : aus der Praxis für die Praxis / von Moritz Schmidt.
- Schmidt Moritz, 1838-1907.
- Date:
- 1897
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Credit: Die Krankheiten der oberen Luftwege : aus der Praxis für die Praxis / von Moritz Schmidt. Source: Wellcome Collection.
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![es sich manchmal um ganz kleine Roizpunkte, wie ich es bei einem Mädchen gesehen habe, das ich wegen Migraene schon an der unteren und mittleren Muschel mit allmählich sicli besserndem p]rfolge geätzt hatte, bei dem aber trotzdem immer .noch, wenn auch seltener, Anfälle; kamen. Ich fand an der rechten mittleren Muschel noch eine linsengrosse, sehr emiifindliche Stelle, welche bei der Berührung mit der Sonde auch von der Kranken als Ausgangspunkt angegeben wurde. Nach der Zerstörung dieses Reizpunktes war dieselbe lange Zeit von ihrem Leiden* be- freit, es wiederholte sich auch nie mehr in der alten Weise, Brügelmann legt bei der Behandlung des Asthma grossen Werth auf das Auffinden solcher kleinen Reizpunkte, die man nach dem Kokainisiren noch schmerzhaft finde. Habe man die richtigen Punkte geätzt, so trete allemal eine heftigere Reaktion mit Fieber auf, Avenn dies nicht der Fall sei, so nützten auch die Ätzungen nicht. Ich kann ihm darin nicht ganz beistimmen. Neigung zu Kopfweh findet sich auch als Folge von allge- meiner Hyperaesthesie der Schleimhaut der Nase oder in Folge von Erkrankungen der Nebenhöhlen, bei welchen es aber fraglich ist, wie weit man diese Art zu den Fernwirkungen rechnen soll, denn oft sind es auch die direkten Schmerzen, die die Kranken quälen. Bbesgen betont jedenfalls mit Recht, dass man viele Fälle durch die Behandlung der verschiedenen krankhaften Zu- stände in der Nase günstig beeinflussen kann. In dem augenblicklichen ]\Iigraeneanfall bringen die zahl- reichen neuen chemischen Mittel grossen Nutzen. Ich gebe in der Regel Antipyrin oder Phenacetin oder Chinin. Pusinelli hat sehr empfohlen, das Phenacetin 0,5 bis 1,0 mit Coffein 0,05 bis 0,2 zu verbinden, und will eine viel deutlichere Wirkung von der Mischung gesehen haben. Zwischen den Anfällen giebt er den Vinum seminum GolcMci 2,0 zwei bis drei Mal täglich mehrere Tage h inter einand er. Nicht so ganz selten sind die von der Nase ausgehenden halbseitigen Trigeminusneuralgien. Ich behandelte schon lange, bevor man etwas von Reflexerkrankungen wusste, zwei junge Männer, welche bei jedem Schnupfen einen halbseitigen heftigen Kopfschmerz bekamen. Sie hatten beide einen Dorn, dessen Spitze so nahe der unteren Muschel war, dass die geringste Schwellung der Schleimhaut das Einbohren desselben in die untere Muschel zur Folge hatte. Ich trug die Spinae mittelst einer Scheere ab und die Schmerzen wiederholten sich nie mehr. Halbseitige Tri- geminusneuralgien sind indessen oft auch durch entzündliche Er- krankungen der mittleren Muschel verui'sacht. Collier hat einen Fall von zwölfjähriger und einen von vierjähriger Dauer durch die Wegnahme der mittleren Muschel geheilt. Er betont ganz mit Recht, dass im Allgemeinen diesen ursächlichen Nasen- krankheiten zu w(5nig Rechnung getragen werde.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21716778_0774.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


