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Credit: Angina pectoris / von Louis Peiser. Source: Wellcome Collection.
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![ohne ihn, eine schmerzhafte Empfindung im Abdomen, so dass Verwechslungen mit Kardialgie, mit Darm- und Nierenkoliken (v. Leyden [83]), ja mit einem perforierenden Magengeschwür (Romberg [109]) nicht zu vermeiden sind. Oft herrscht weniger der Schmerz vor, als vielmehr das Druckgefühl unter dem Sternum. Ein andermal empfindet der Kranke an Stelle eines eigentlichen Schmerzes mehr ein Kribbeln, ein Prickeln, ein Betäubungs- gefühl, oder ein Absterben im linken Arme. Zu diesem ersten Hauptsymptome gesellt sich regelmässig das zweite: das Gefühl hochgradiger Angst und Beklemmung. Der Kranke hat die Empfindung, dass er verloren sei, dass ihm der Tod nahe bevorstehe. Eigentümlich ist dem Anfall, dass sich der Kranke, auch wenn der Schmerz ihn nicht dazu zwingt, mög- lichst ruhig verhält. Die Angst vor der Todesgefahr macht ihn hinfällig und schwach. Er sucht jede Bewegung, ja selbst tiefe Atemzüge zu vermeiden und atmet nur oberflächlich, um die selbst unbedeutendste Bewegung des Thorax einzuschränken, ob- gleich hie und da tiefe Atemzüge oder Verhalten der Atmung Er- leichterung gewähren sollen. So hält die Todesangst den Kranken im Bann. Ferner wird oft von Drang zu Stuhl- und Harn- entleerung während des Anfalls berichtet. Häufig treten auch Ohnmachtsanwandlungen oder wirkliche Ohnmacht ein. Das Aussehen der Patienten stimmt gewöhnlich zu der Schwere der Symptome. Kalter Schweiss bedeckt ihre Haut. Sie sehen blass, elend und verfallen aus, und das um so mehr, je grösser das Vernichtungsgefühl ist, das sie empfinden. Oft dauern die An- fälle nur wenige Minuten, ein andermal kommt es zu einem sich lang hinziehenden Status anginosus, der die Patienten stunden-, selbst tagelang peinigen kann. Nach dem Anfall können Tage, Wochen, selbst Monate vergehen, ehe es zu einem erneuten An- falle kommt. Hie und da aber tritt er Tag für Tag oder jede Nacht nach irgend einer körperlichen oder geistigen Erregung, oder ohne jede jegliche sichtbare Ursache, von neuem auf, hervorgerufen oder begünstigt durch bestimmte, immer wieder einwirkende Schädlichkeiten, die wir später erwähnen werden. Bekannt ist, dass die Angina pectoris eine Hauptursache des plötzlichen Herztodes ist, der oft unmittelbar nach Beginn des Anfalles, ja, wie in dem ersten der oben erwähnten zwei Fälle, eintritt, noch ehe es wieder zu einem richtigen Paroxysmus kommt. Oder auch der Tod erfolgt nicht plötzlich zu Beginn, sondern erst nach stunden-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28036207_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


