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Credit: Angina pectoris / von Louis Peiser. Source: Wellcome Collection.
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![hochgradige Arteriosklerose in diesen Gefässgebieten beeinflusst den allgemeinen arteriellen Druck nicht so, dass der linke Ventrikel hypertrophiert. Doch kann bei allmählicher Zunahme der Ver- änderung, z. B. in einer Extremität, die Blutzufuhr so sinken, dass jede Ernährung in ihr aufhört und das Organ zugrunde geht. Anders ist es bei der Erkrankung der Arterien des Unterleibs. Diese beherrschen den Blutdruck in hervorragender Weise, da seine Regulierung schon normalerweise hauptsächlich den Splanchnikus- arterien obliegt (Hirsch [60]). Ist hier der Widerstand erhöht, so steigt der Blutdruck in sämtlichen Körperarterien, und der linke Ventrikel hypertrophiert. Nach den am Leichentische gemachten Beobachtungen sind Krankheiten der Arterien ungemein häufig. Allein selbst gröbere makroskopische Erkrankung, wenn sie nur in einzelnen Herden be- steht, macht nur selten so deutliche Erscheinungen während des Lebens, dass sie mit Sicherheit erkannt werden könnte. Die über- wiegende Zahl der Arterienerkrankungen nimmt einen durchaus chronischen Verlauf, wobei der, bei herdweiser Erkrankung wohl häufig akute Beginn gewöhnlich ganz unbemerkt bleibt (Bäumler [5]). Doch nicht nur die herdweise, auch die diffus auftretende Arterio- sklerose mag latent bleiben. Ihre Wirkung auf den Kreislauf wird durch die Herzhypertrophie ausgeglichen. Dieser Umstand ist wichtig. Denn der Arzt wird sich nicht damit begnügen dürfen, die Diagnose Arteriosklerose gestellt zu haben, wenn er die Schlänge- lung und Verdickung der Arterienwand gesehen, fühlbare Kalk- einlagerungen nachgewiesen und die Herzhypertrophie erkannt hat. Er wird beurteilen müssen, ob die Kreislaufstörung am Herzen kompensiert ist oder nicht. Er wird es sich angelegen sein lassen, zu erforschen, namentlich ob im Herzen, in der Niere, in dem Gehirn arteriosklerotische Erscheinungen vorhanden sind, wird seine Ratschläge variieren müssen, je nachdem der Patient ein Greis ist, der ein ruhiges Leben führt, oder jünger und noch in voller Tätigkeit sich nach Erwerb umsieht, auch danach, welchem Berufe er angehört, ob einem schweren oder leichten. Denn den ver- schiedenen Ansprüchen an die Gefässwand steht eine sehr wechselnde Widerstandsfähigkeit gegenüber. Beim Greise wird der Fort- schritt der Erkrankung anders sein als bei dem jüngeren Manne, der weiter arbeiten und weitere Anforderungen an seine Muskeln, an Herz und an Gehirn stellen muss. Der Taglöhner wird seinem Erwerbe nachgehen, der Arzt, der Gelehrte, Finanzier, der Künstler](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28036207_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


