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Credit: Angina pectoris / von Louis Peiser. Source: Wellcome Collection.
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![die durch übermässige körperliche und geistige Anstrengung er- schöpft sind, und namentlich Mädchen und Frauen, sind prädispo- niert zu diesem krankhaften Zustande des Nervensystems und mit ihm zu den rein nervösen Anginaanfällen. Die Anfälle der Hysterischen gleichen oft den Angina vera-Attacken dergestalt, dass sie die Diagnose recht schwierig ge- stalten würden, wenn nicht noch andere deutlich hysterische Sym- ptome vorhanden wären. Gewöhnlich sieht man deren in über- reicher Fülle. Besonders fällt auf, dass während der Kranke bei einer Angina vera ruhig bleibt und jede Bewegung ängstlich vermeidet, die hysterische Person klagt und jammert. „Es ist mehr Lärm als Gefahr“ (Neusser [93]). Auch dass die Anfälle der Neurasthe- niker und Hysterischen oft in der Ruhe und, wenn sie schlaflos nachts im Bette liegen, Vorkommen, kennzeichnet sie. Auf Hysterie und Neurasthenie beruhen auch die stenokardischen Anfälle in der Pubertät und im Klimakterium, wobei kleine Gelegenheits- ursachen unverhältnismässig starke Störungen auslösen. Hierher müssen wir auch die anginaähnlichen Anfälle verweisen, die sich infolge einer „Anginaphobie“ einstellen. Es ist bekannt, welchen Einfluss das Studium der Herzkrankheiten auf Studierende und Aerzte hat; bekannt ist auch das Beispiel von Peter Frank, der, als er die Herzkrankheiten bearbeitete, so heftiges Herzklopfen mit intermittierendem Pulse bekam, dass er überzeugt war, an einem Aneurysma zu leiden. Erst nach Beendigung seiner Arbeit und durch die Zerstreuungen einer Reise verschwanden die Zufälle. In dasselbe Gebiet gehört auch das epidemische Auf- treten der Angina pectoris, wie die Epidemie in Danzig im Jahre 1824 (Kleefeld) und die epidemische Erkrankung unter den Matrosen der Korvette „Embuscade“ in der Nähe von St. Helena (1868), als durch mehrtägiges stürmisches Wetter die Mannschaft sehr erschöpft war (Gel ine au [5]). An den Schluss möchten wir als Pseudoanginen die Anfälle erblich belasteter Menschen ver- weisen. Es sind Stenokardien bei Personen, deren Eltern an echter Angina litten oder starben. Die erbliche Veranlagung der Entstehung von Herz- und Gefässkrankheiten ist vielfach be- tont worden. „Die Eigenschaften des Herzens und der Gefässe erben sich fort“ (Romberg [109]). Doch erbt der Sohn hier nur eine nervöse Abart der Symptome einer schweren Erkrankung, während der Vater der echten Form erlag.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28036207_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


