Der Überschuss an Knabengeburten und seine biologische Bedeutung / von A. Rauber.
- August Rauber
- Date:
- 1900
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Credit: Der Überschuss an Knabengeburten und seine biologische Bedeutung / von A. Rauber. Source: Wellcome Collection.
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![Die arabische, überhaupt die orientalische Pferderasse ist nach Wilckens eine spätreife; ihre Stuten werden in der Regel erst im 5. Lebensjahre zum erstenmale gedeckt; ihre Erstgeburten haben ein Gesell 1 echtsVerhältnis von 102,3. Im grossen Durchschnitte dagegen erzeugen die erstgebären den Pferde verhältnismässig mehr Weibchen als Mehrgebärende; es sind frühreife, gutgeuährte Tiere. Die ehelichen Erstgebärenden in Europa haben einen ansehnlichen Knabenüberschuss: sie haben nach Wilckens in grosser Zahl Schwierig- keiten gehabt, einen eigenen Haushalt zu gründen. Wo diese Schwierigkeiten wegfallen, wie bei den unehelichen Müttern, da fehlt nach Wilckens auch der grosse Knabenüberschuss. Drei- und vierjährige Erstlingsstuten erzeugten 107 weibliche und 75 männliche Fohlen; fünf- und sechsjährige dagegen 218 weib- liche und 235 männliche. Aus dem verschiedenen Alter der Stuten und der dadurch bedingten verschiedenen Ernährung der Frucht erklärt nun auch Wilckens den anscheinenden Einfluss der Rasse (s. oben). Wilckens giebt im Anschlüsse hieran folgende Emährungstabelle: Sehr gut und gut genährte Mittelmässig und schlecht genährte Stuten gebaren Stuten gebaren Stutenfohlen Hengstfohlen Stutenfohlen Hengstfohlen In Kisber 23 14 24 48 In Babolna 44 15 12 35 Zusammen 67 29 36 83 Bei den sehr gut und gut genährten Stuten ist hiernach in beiden Gestüten zusammen das Geschlechtsverhältnis 43 : 100; bei den mittel- mässig und schlecht genährten Stuten hingegen ist es 231:100. Das sind freilich Unterschiede, welche, wenn sie sich allgemein bestätigen lassen würden, alle anderen Einflüsse auf die Geschlechtsbildung gegen- über der Ernährung weit hinter sich zurücklassen würden. Don Ernährungszustand eines Pferdes richtig zu beurteilen, hält Wilckens für keine leichte Sache, zumal bei englischen Vollblut- pferden, die sich in der Regel mager halten. In verschiedenen Ge- stüten ist der Ernährungszustand der Pferde ein sehr verschiedener; nicht die bessere oder schlechtere Pflege ist hieran schuld, sondern das verschiedene Klima und die verschiedene Futterqualität, aber auch in grosser Breite die verschiedene individuelle Konstitution der Pferde. Ganze Familien halten sich in gutem, andere in schlechtem Ernährungs- zustände, bei gleichen äusseren Bedingungen. Den Zustand des Fleisches am Hinterschenke], der Haut und der Haare hält V ilekeus für die wichtigsten Kennzeichen des Ernährungszustandes der Pferde. Er ge- denkt der Stute Affinity in Kisber als eines Musters guten Emäbrungs-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28061573_0068.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


