Die Störungen des Lungenkreislaufs und ihr Einfluss auf den Blutdruck : eine pathologische Experimental-Untersuchung / von Ludwig Lichtheim.
- Lichtheim, Ludwig, 1845-1928.
- Date:
- 1876
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Credit: Die Störungen des Lungenkreislaufs und ihr Einfluss auf den Blutdruck : eine pathologische Experimental-Untersuchung / von Ludwig Lichtheim. Source: Wellcome Collection.
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![]9 Ich denke aber, meine Herren, dass Leibnitz üiit der Hypothese Von der p r äs tab il i s i r t en Harmonie (mögen die Materialisten beachten, was ich sagen will) der Menschheit einen mehr scheinbaren, praktischen Dienst geleistet hat, dass er indirect uüd ein für allemal die Unmöglichkeit bewiesen bat, ein materialistisches System, das allein und demnach n oth wendiger- weise auf den Erfahrungen des Experiments sich gründet, aufzubauen. Gleiches Verdienst bin ich sehr geneigt, Demoerit, Epicur und ihren tapferen Nachkommen zuzusprechen, welche mit der monistischen oder der Hypothese von der Ein-Alleinigen Substanz (diesmal bitte ich die Spiritualisten um Ver- zeihung) es für immer unmöglich gemacht haben, einen wissenschaftlichen, sich aus experimentellen Thatsachen als unausweichliche Folgerung ergebenden Spiritualismus zu begründen. Ich glaube also schliesslich, dass sich sowohl das eine als das audere der beiden entgegengesetzten Systeme mit den experimentellen Thatsachen verträgt, dass sic UDter das physiologische Gesetz der vollkommenen Cor- respondenz und absoluten Beziehung der mechanischen und psychischen Thätig- ke.it unseres Wesens fallen; aber dass beide ausserhalb der Wissenschaft stebeD, indem sie über die Erfahrung hinausgehen, und wie die Krieger des Cadmus sich gegenseitig vernichten. Dabei bin ich sehr entfernt, den grossen Werth und die hohe geschicht- liche Bedeutung, welche dem Spiritualismus und dem Materialismus zukommen, zu leugnen, dem ersten, hauptsächlich einer Schöpfung der christlichen Welt, dem zweiten, einem Ueberreste aus dem Heidenthum, bereichert mit allen Eroberungen der modernen Wissenschaft. Ich verstehe nicht recht die Klagen Mancher, dass die Menschheit — von dem geraden Wege zur Weisheit abweichend — so viele Jahrhund( rte ihre besten Kräfte auf phantastische Speculationen verwendet habe, um den Versuch zu machen, das Unlösbare zu lösen und das Unbegreifliche zu begreifen. Wie viel weiter wäre die Wissenschaft — sagen sie — wenn die Menschen zeitiger die Grenzen der eigenen Intelligenz begriffen und sich bescheiden der Führung des Expe- riments und der inductiven Methode überlassen hätten! — Aber wie — sage ich — hätte der Mensch diese eigenen Grenzen ziehen oder genau bestimmen können, wenn er nicht alle seine verschiedenen Kräfte erprobt und nach jeder Richtung und in dem verschiedensten Sinne über die Wirkungen seiner verschiedenartigen Thätigkeit Versuche angestellt hätte? Gründet sich etwa nicht das Princip des Experimentalismus oder Materialismus selbst auf die Unfähigkeit der metaphysischen Systeme, sich der Wirklichkeit zu bemächtigen? Und die Erklärung dieser Unfähigkeit, schliesst sie nicht die vollkommene Entwicklung derselben nach ihren verschiedenen Formen in sich? Es war also, meine Herren, eine historische Nothwendigkeit, dass ange- sichts des Spiritualismus der Materialismus sich erhob, dass beide Systeme in allmähligcr Entwicklung und Entfaltung wuchsen und sich vervollkomm- neteu, mit dem Streben, die Extreme aufzunehmen und alles in ihnen Liegende vollständig zu leisten, bis endlich ihre Unfähigkeit, die Wahrheit zu erobern, klar dalag, ihre gegenseitige Krisis unvermeidlich war, aus dem einfachen thatsächlichen Grunde, weil die Lösung des grossen Problems der Welt und der Menschen, zu der sie gelangten, einen Widerspruch enthielt. Nur allein von diesen langen und mühevollen Versuchen aus konnte der Mensch das Bewusstsein seiner wahren Kräfte erlangen, die Grenzen des eigenen Verstandes erkennen, und mit Galilei erklären: „Eitel ist die Mühe und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22296773_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)