Rückenmarkstumor, mit Erfolg exstirpiert / von S.E. Henschen und K.G. Lennander.
- Salomon Eberhard Henschen
- Date:
- 1902
Licence: In copyright
Credit: Rückenmarkstumor, mit Erfolg exstirpiert / von S.E. Henschen und K.G. Lennander. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
37/42 (page 707)
![Als die Geschwulst entfernt war und die Störungen sich ausglichen, wurde bemerkt, daß Patient über der ganzen linken Bauchhälfte und am linken Beine Kälte fühlte, wenn auch schwach an der Planta pedis, aber nicht Wärme (+ 55® C). Später, am 1. März, war der Temperatur- sinn bedeutend gebessert; besonders galt dies für den Kältesinn, weniger aber für den Wärniesinn. Es mag nicht geleugnet werden, daß es gewisse Schwierigkeiten bietet, sichere Ordnung in diese Beobachtungen zu bringen. Nach den ursi)rünglichen Angaben des Patienten fand sich eine bestimmte Dis- sociation in Bezug auf die Temperatursinne am linken Beine. Er fühlte Kälte nicht, wohl aber Wärme. Aber die Untersuchung brachte in der Hauptsache eine starke Herabsetzung des Temperatursinnes an den Tag, und zwar, eigentümlich genug, am meisten für Wärme. Gleich- zeitig soll Patient, der zwar ein Mann ohne litterarische Bildung war, aber ein gutes Urteil und ein gutes Beobachtungsvermögen hatte, be- sonders in Bezug auf die Aeiißerungen seiner Krankheit, denen er im Krankenhause mit dem größten Interesse folgte, die Beobachtung gemacht haben, daß der Schnee mehrere Male leichter an seinem linken Fuße schmolz, als am rechten. Das zuletzt genannte Phänomen mußte darauf beruhen, daß das linke Bein wärmer war als das rechte. Wenn man sich erinnert, daß das rechte Bein mehr atrophisch und mehr gelähmt war, und daß die vasomotorischen Nerven wahrscheinlich den motorischen folgen, so gewinnt die erwähnte Beobachtung des Patienten dadurch eine genügende Erklärung. Doch erschien das linke Bein nicht wärmer, eher das Gegenteil. Die Beobachtung des Patienten über das Fehlen der Kälteemi)tindung an der linken Seite ist jedoch fortdauernd dunkel. Man ist genötigt, anzunehmen, daß sich eine ge- wisse Dissociation der Tem])eratursinne fand, daß aber eine gewisse Herabsetzung sowohl des Kältesinnes als auch des Wärmesinnes prä- dominierte, nach den Versuchen am meisten des letzteren. Indessen verursachte diese wenigstens scheinbare Dissociation der Temperatursinne einen gewissen Zweifel in Bezug auf die Diagnose, und der Gedanke an die Möglichkeit einer Syringomyelie oder einer Gliose lag um so näher, da die Dissociation einseitig und nicht von Schmerzen begleitet war, welches letztere gegen Tumor sprach. Es ist indessen überhaupt schwer, eine derartige Dissociation zu erklären, ohne anzunehmen, daß entweder der krankhafte Flerd minimal ist und nur gewisse Fasern für Kälte oder für Wärme trifft, oder daß die Bahnen weit voneinander getrennt verlaufen. Die Verschiedenheit zwischen den Angaben des Patienten und dem Resultate der objektiven Untersuchung vermindert indessen die Be- rechtigung, aus dem Falle sichere Schlüsse in Bezug auf die Lage der Bahnen zu ziehen. A priori ist es sehr unwahrscheinlich, daß ein Tumor von der Größe, wie im vorliegenden Falle, auf die Kältebahnen,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22385708_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)