Handbuch der pathogenen mikroorganismen, unter mitwirkung / von ... Rudolph Abel ... [u. a.] nebst mikrophotographischem atlas. zusammengestellt von prof. dr. A. Wassermann.
- Date:
- 1902-04
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Credit: Handbuch der pathogenen mikroorganismen, unter mitwirkung / von ... Rudolph Abel ... [u. a.] nebst mikrophotographischem atlas. zusammengestellt von prof. dr. A. Wassermann. Source: Wellcome Collection.
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![II. Unterstamm: Ciliophora. Die Vertreter dieses Stammes zeiclmeu sicli durch eine sehr hohe Differenzieruug- vor allen den bis jetzt behandelten Protozoen aus. Dieses gilt besonders bezüglich der Bewegungsorganellen und des Kernapparates; die Bewegung wird durch haarartige, zarte, terminal meist abgestumpfte Differenzierungen des homogenen Protoplasmas, das an der Basis tinktoriell leicht nachweisbare Verdichtungen — die soge- nannten Basalkörperchen — bildet, vermittelt. Diese Bewegungs- organellen werden Cilien genannt; derbere offenbar durch Verklebung mehrerer Cilien entstandene Fortbewegungsorganoide sind die sogenannte Hacken, Griffel oder Cirren. In analoger Weise entstehen die Membra- nellen und undulierenden Membranen, denn an ihrer Basis kann man that- sächlicli auch einen ^Basalkürpersauni nachweisen. Die Basalkörperchen werden als kinetische Zentren (Lenhossek-Hexneguy) aufgefasst, doch kann man sie gerade bei dieser Gruppe nicht mit den Centrosomen ver- gleichen, da diese hier gar nicht ausdiff'erenziert sind und ihnen die gesamte intranukleäre Zentralspindel der meist wenigen Nebenkerne entspricht. Eine weitere auffallende Differenzierung bezieht sich auf den Kernapparat, der in zwei typischen Formen auftritt: der Großkern oder Macronucleus und der Kleinkern oder Micronucleus. Der erstere l)esitzt eine bedeutendeie Größe, färbt sich mit den üblichen Kernfarb- stoffen intensiv und teilt sich auf amitotiscliem Wege; er scheint der Er- nälirung und den vegetativen Funktionen des Infusors vorzustehen. Sein Ausselien Avechselt je nach den Ernährungszuständen und der Häufigkeit des Vermelirungsvorganges. Bei der Konjugation zerfällt er und wird zum Teil resoiTiert, zum Teil ausgestoßeu. Der Nebenkern oder Klein- kern ist viel kleiner, besitzt eine deutliche Kernmembrau und teilt sich auf dem AVegc einer typiBchen Karyokinese, nur dass diese sich innerhalb der Kernmembran abspielt und es zu keiner Protoplasmastrahluug kommt. Die intranukleäre Zentralspindel zerstemmt gleichsam den Kern, wobei ihre Fasern eine sehr charakteristische Drehung erleiden. Der Klein- kern ist als ein Gesclilechtskern aufzufassen. Die Ciliaten sind demnach Hetero]dastiden, deren Kerne auf einen gleichartigen Kern phylogenetisch zurückfüliiTar sind, dessen Teil})rodukte sich nur nach zwei verschiedenen Biclitungen entwickelt hal)en. Für eine solche Differenzierung sind schon Anläufe l)ei den Si)orozocn nachweisbar. Im Verlaufe der verschiedenen zalilreichen Teilungen stellen sich mannigffichc Schädlichkeiten ein, die in einem geschlechtlichen Vorgang eine Korrektur erfahren. Diese erfolgt meistens durch eine Konjugation, seltener durch eine Kopulation; der letztere Vorgang wird durch einen dauernden Verschmelzungsakt der ])eiden Gescbleclitstiere charakterisiert, während in der Konjugation sich die ])eiden Paarlinge nach dem Austausch ihrer Kerne wiederum trennen. Die Konjugation nimmt folgenden Verlauf: Der Großkerii fragmentiert und geht zu Grunde, der Kleinkern teilt sich (meist 3 mal) mehrmals und lässt aus sich die gleichfalls zu Grunde gehenden Beduktionskerne hervorgehen. Ein einziger derartiger Kernteil wandelt sich aber in die Befruchtungsspindel um und produziert einen stationären und einen Wanderkern, der in das andere Individuum wandert und dort mit dem stalionären Kern verschmilzt und umgekehrt. Das Verschmelzungspro- dukt wird Frischkern genannt, aus dem durch weitere Vorgänge ein neuer Haupt- uud Nebenkern differenziert wird. Der Frischkern Aväre mit dem pliylogenetiscli einfachen Kern der Ciliaten zu vergleichen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907481_1021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


