Handbuch der pathogenen mikroorganismen, unter mitwirkung / von ... Rudolph Abel ... [u. a.] nebst mikrophotographischem atlas. zusammengestellt von prof. dr. A. Wassermann.
- Date:
- 1902-04
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Credit: Handbuch der pathogenen mikroorganismen, unter mitwirkung / von ... Rudolph Abel ... [u. a.] nebst mikrophotographischem atlas. zusammengestellt von prof. dr. A. Wassermann. Source: Wellcome Collection.
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![merksam, das als Kopropliage die Infektion immer weiter verbreitet, ln der Folgezeit nalim man vielfach an, dass das Schwein der eigent- liche Parasitenträger sei nnd dass sich der Mensch nur gelegentlich intiziert. Mitteu untersuchte in diesem Sinne zahlreiche Fälle und glaubte den Beweis liefern zu können, dass in 13 ^ der Fälle die Balantidien sicher vom Schwein stammen. Die Uebertragung kann nur im encystierten Zustande erfolgen, da die freien Balantidien sehr leicht geschädigt werden, zerfließen und den Magensäuren keineswegs in dieser Form Mdderstand leisten könnten. Im allgemeinen ist das Balantidium des Sclnveines etwas größer und auf Grund dieser Wahr- nehmung sowie auf Grund von zahlreichen missglückten Infektions- versuchen nahmen einige Forscher wie Grassi & Calaxdruccio an, dass hier eigentlich zwei Arten vorliegen, eine Annahme, die noch einer aShudiuntersucliung harrt. Beim Schwein rufen die Balantidien keine Störungen hervor. Uel>ertragungsversuche nahmen Casagrandi & Barbagallo vor und zwar experimentierten sie an Katzen. Sie benützten sowohl junge normale Katzen als auch an einer katarrhalischen Enterocolitis leidende Tiere, sowie Katzen, die eine Bectumerweiterung besaßen. Zur Injektion wurden sow(dd balantidienhaltige menschliche Faeces als auch freie und encystierte Balantidien aus dem Schweinedarm verwendet. Die VeruschsVesultate lielcn ungleichmäßig aus, in einigen Fällen fand man encystierte Formen im Schleim oder einige wenige freie Formen im Coecum. Auf Grund der bisherigen Versuclie kann man nur den Schluss ziehen, dass jene Balantidien für Katzen nicht pathogen sind und dass sie sie selbst im kranken Zustande in keinerlei deutlich Avahrnehmbarer Weise schädigen. Der rebertragungsmodus ist für den Menschen noch nicht auf- geklärt. Bezüglich der Wirkung dieses l’arasiteu auf den Menschen sind die Ansichten der einzelnen Forscher noch sehr kontrovers; man kann sie derzeit in 3 Gru])pen ziisammenfassen: I. Das Balantidium ist ein unschuldiger Bewohner des Darmes: Mitter, .Iaxowski, Ma(jgiora, Casagrandi & Barbagallo. II. Das Balantidium kann nur in sekundärer Weise schädigend ein- wirken , indem es sich auf eine schon erkrankte Schleimhaut nied(‘rlässt und durch seine lebhaften Bewegungen katarrhalische Entzündungen der Mucosa hervorruft: Malmsten, Woit, Ecke- (jRAXz, Lösen, Babgzewsky, Boos, Sievers, Wela.tew, Hen- sGiiEN, Deiiio (Balantidiencolitis), Collmann. III. Dem Balantidium kommt eine ])athogene Bedeutung zu. Für diese Ansi(dit treten mehr oder weniger bestimmt folgende Autoren ein: LEreKAirr, Gurwitsch, Tsciiigajew, Mosler, Peiper, Siie- (LU.EW, Soi.ow.iEW, SriiONG, Mlsgraa e, Askanazy u. a., doch bestehen zwischen den einzelnen Ansichten der letztgenannten Autoren eiinge Ditierenzen. — Diese letztere Annahme dürfte die richtig(‘ sein. In den häuligst beobachteten Fällen litten die Kranken an starken Darmkatarrhen mit Tenesmen, später stellen sich nicht selten Blutent- leerungen ein und der Stuhlgang erfolgt ca. 20 mal in 24 Stunden. Detinitive Heilung erfolgt selten, die Dauer mancher Krankheitsfälle betrug 20 djihre. Nach den Untersuchungen von Solow.tew ist die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907481_1027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


