Grundriss der gesammten Radiotherapie : für praktische Ärzte / von Leopold Freund.
- Freund, Leopold, 1868-1943.
- Date:
- 1903
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Credit: Grundriss der gesammten Radiotherapie : für praktische Ärzte / von Leopold Freund. Source: Wellcome Collection.
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![Die Erhöhung der Spannung des elektrischen Stromes ist nicht nur von Einfluss auf die optische Helligkeit des elektrischen Glühlichtes, sondern auch auf den Gehalt an blauen und violetten Strahlen. Doch zerstören starke Ströme die Glühlampen sehr schnell. Im allgemeinen haben 380 normal betriebene Glühlampen ohne Reflectoren in 1 M. Abstand vom Objecte denselben chemischen Effect wie Himmelslicht. Wo es daher auf Production intensiver chemischer Lichtstrahlen ankommt (wie z. B. bei der Lupusbehandlung), hat das elektrische Glühlicht als Lichtquelle nur geringen Werth; handelt es sich jedoch darum, Strahlen grösserer Wellenlänge (Wärmestrahlen, rothes Licht) zu verwenden, dann leistet das Glühlicht vorzügliche Dienste. Die Behandlung mit dem elektrischen Glühlichte ist entweder eine allgemeine („elektrische Glühlichtbäder1) oder eine locale. Die ersten Apparate zu elektrischen Glühlichtbädern wur- den von J. H. Kelloy 1894 beschrieben2) und auf der Chicagoer Welt- ausstellung demonstrirt. In Deutschland wurden die ersten Glühlicht- bäder von dem Chemiker Gebhard eingeführt. Die ursprünglichen Glüh- lichtbäder haben seither eine Reihe von Verbesserungen erfahren. Sie werden theils als Sitzlichtbäder, theils als Liegebäder ausgeführt: letz- tere entsprechen aber in ihrer Einrichtung ganz den Sitzlichtbädern. Bisweilen werden an den Glühlichtbädern Vorrichtungen angebracht, vermittels welcher man auf den Kranken Glühlicht und Bogenlicht in combinirter Form einwirken lassen kann. Die modernen Glühlichtbäder werden nur zum Anschluss an elek- trische Strassenleitungen hergestellt; sie bestehen aus achteckigen, mit Spiegelscheiben, Milchglasplatten u. dgl. ausgekleideten Kästen, welche mit einer von aussen und von innen verschliessbaren Thür zum Ein- tritt für den Patienten und oben mit einem verschiebbaren Deckel ver- sehen sind, der einen Ausschnitt für den Hals des Patienten besitzt. An den Innenwänden sind 40—60 Glühlampen von je 16 NK. Licht- stärke vertheilt, welche von aussen, eventuell auch von innen mittels mehrerer Einschalte], die bei Bieder auf einem Schaltbrette vereinigt sind, serienweise in senkrechten oder horizontalen Reihen oder in einer schraubenförmigen Linie ein- und ausgeschaltet werden können. Die Lampen besitzen Schutzvorrichtungen (Stangennetze oder Gitter). In die Wand ist an einer Stelle eine Hülse eingelassen, in welche ein Thermometer zur Messung der Innentemperatur gesteckt werden kann. Neuerdings wird auch in der Wand des Kastens ein Fenster einge- lassen, durch welches man die Schweissabsonderung und den Puls con- troliren kann. Durch andere mit Rollläden versehene Oeffnungen kann man eventuell das Licht von einem Bogenlichtreflector eintreten lassen. Zweckmässig ist es, in dem Kasten den Drücker einer elektrischen Klingel anzubringen. Der Kranke setzt sich unbekleidet auf einen Sessel in den Licht- kasten, der vollkommene Abschluss am Halse erfolgt mit einem Hand- tuche. Auf den Kopf erhält er einen kalten Umschlag oder eine Kühlkappe. Die Temperatur eines Lichtbades soll im Anfange nicht mehr als 35—40° R. betragen; erst wenn man sich von der Reactionsweise des ') Ueber Bogenlichtbäder s. pag. 383.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024030_0378.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)