Einige Bemerkungen über das Diagnosticiren bei inneren Krankheiten / von Hermann Nothnagel.
- Hermann Nothnagel
- Date:
- 1883
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Credit: Einige Bemerkungen über das Diagnosticiren bei inneren Krankheiten / von Hermann Nothnagel. Source: Wellcome Collection.
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![IiOinlnii((Hfillii({küit der ])iagiioi>c. legentlich auch noch der genauere Sitz desselben; jedes Bemühen aber, mit Sicherheit zu ermitteln, ob dies ein alter Erweichungs- oder ein Blutherd sei, kann scheitern. In anderen Fällen wieder erhebt sich wegen des Mangels ausgesprochener Symptome die ganze Diagnose nicht über einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit. So etwa nimmt man bei einem irregulären Fieber mit sogenanntem pyämischen Charakter, da alle sonstigen Ursachen für dasselbe fehlen, eine versteckte Eiterung an, und vermuthet dieselbe mit einer gewissen Wahr- scheinlichkeit in der Bauchhöhle, weil bei durchaus negativem sonstigen Befunde Druck auf das Abdomen an bestimmter Stelle Schmerz verursacht — weiter aber führt die Untersuchung nicht, über den genaueren Sitz, die Entstehung des angenommenen Eiterherdes ist durchaus keine Aufklärung zu gewinnen. Oder selbst dieser geringe Grad von Wahrscheinlichkeit kann nicht einmal erreicht werden, und die Diagnose schwebt nur als Vermuthung in der Luft, ohne jede Möglichkeit einer aus dem Erscheinungsbilde selbst zu entnehmenden bestimmteren Begrün- dung. Eine bejahrtere Person wird in die Klinik gebracht; sie ist sehr kachektisch und blass, ihre einzige Klage ist ausser der Schwäche Appetitlosigkeit; weder die Anamnese noch die ge- naueste Untersuchung ergibt irgend etwas Wesentliches, irgend einen bestimmten Anhaltspunkt. Man vermuthet vielleicht ein Magencarcinom — es kann sich aber auch um etwas Anderes handeln. An diese letzte Gruppe schliesst sich unmittelbar die der falschen Diagnosen. Diese zerfallen — bereits Stokes hat dies irgendwo bemerkt — in zwei Reihen sowohl hinsichtlich ihrer Entstehung wie ihrer Werthschätzung. Die eine Reihe ist näm- lich entschuldbar, die andere nicht. Nicht entschuldbar ist die falsche Diagnose, wenn der Arzt oberflächlich untersucht und flüchtig beobachtet hat; so zum Beispiel wenn ein durch die Palpation wohl erreichbares Mastdarmcarcinom unentdeckt blieb, nur weil das Rectum nicht abgetastet wurde. Entschuldbar dagegen ist der Missgriff, wenn die Verhältnisse so eigenthümlich verwickelt liegen, dass nach sorgsamster Untersuchung selbst der grösste Scharfsinn und die reichste Erfahrung keine Entschei- dung zu treffen vermögen, und der Arzt mit einer grösseren Wahr- scheinlichkeit für die eine der verschiedenen Möglichkeiten sich entschieden hat, während eine andere — aber wohlgemerkt, auch in Betracht gezogene! — thatsächlich vorliegt. Diese Fehlgriffe w'erden](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22332571_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)