Grundriss der physiologie des menschen für studierende und ärzte / von J. Steiner.
- I. Steiner
- Date:
- 1890
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Credit: Grundriss der physiologie des menschen für studierende und ärzte / von J. Steiner. Source: Wellcome Collection.
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![„Im Kampfe ums Dasein, den alle Individuen gegen die umgebende Natur zu kämpfen haben, erwerben einzelne derselben gewisse Fäbig- keiten, welche ihnen in diesem Kampfe nützlich sind und ihnen zum Siege verhelfen, so daß sie sich den umgebenden widerstrebenden Ver- hältnissen anzupassen vermögen. Aber auch nur diese Individuen haben Aussicht, ihre Art fortzupflanzen, da die anderen im Kampfe unterliegen, und diese übertragen die erworbenen nützlichen Fähigkeiten durch Vererbung auf ihre Nachkommen. Werden nun diese ererbten Fähigkeiten von den nachfolgenden Geschlechtern durch weitern Ge- brauch immer mehr entwickelt, so müssen durch Anpassung und Vererbung bei natürlicher Zuchtwahl (als welche die Erhaltung und Fortpflanzung der siegreichen Individuen bezeichnet wird) neue Arten entstehen können. Demnach läßt sich die Entwickelung der verschiedenen G-ruppen des Tier- reiches in Form eines oder mehrerer Stammbäume anordnen. Man bezeichnet diese Entwickelung als „Stammesentwickelung, „Phylogenie (givXov, Stamm) im Gegensatz zur Entwickelixngsgeschichte des Individuums, der „ Keim es- geschichte oder „Ontogenie (E. Häceel). Aus der oben imter 2) an- gegebenen Thatsache folgert PIäckel, daß die Ontogenie eine in kurzer Zeit ab- laufende Eekapitulation der Phylogenie darstellt („Biogenetisches Grund- gesetz).^ Verfolgt man die Entwickelung des Säugetieres, speziell des Men- schen aus der Eizelle, so sieht man, daß sich dieselbe durch Teilung vermehrt („Eifurchung), bis sich ein großer kugelförmiger Zellenhaufen entwickelt hat, der das Aussehen einer Maulbeere besitzt und „Morula genannt wird. Im Centrum des Zellenhaufens, dessen centrale Zellen viel größer sind als die peripheren, sammelt sich Flüssigkeit an, welche die Zellen nach außen drängt. Weiterhin sind aus jenen beiden Zellen- arten zwei konzentrisch gelagerte Häute entstanden; diese Bildung wird die „Keimblase genannt, welche aus den beiden primären „Keim- blättern zusammengesetzt ist. Dieselben werden als Entoderm und p]ktoderm bezeichnet und bilden die Grundlage für die gesamte weitere Entwickelung: aus dem Ektoderm entwickeln sich nämlich die Organe der animalen Sphäre, wie Centralnervensystem u. s, w., weshalb es das „animale Keimblatt heißt, ans dem Entoderm die vegetativen Organe, als Darmrohr u. s. w„ welches danach als „vegetatives Keim- blatt bezeichnet wird. Die zweiblätterige Koimblase zeigt bald an einer Stelle ihrer Ober- fläche einen dunklen runden Fleck, der scheibenförmig erhaben in den Hohlraum der Blase vorspringt; es ist dies der „Fruchthof oder die „Keimscheibe, aus der die vVnlage des Embryonalleibes hervorgeht, * E. IIÄCKEL, Generelle Morphologie der Organismen. 2 Bde. Berlin 1866.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21206715_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)