Diagnostik und Therapie der Darmkrankheiten : nach dem heutigen Stande der Wissenschaft / bearbeitet von I. Boas.
- Ismar Isidor Boas
- Date:
- 1899
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Credit: Diagnostik und Therapie der Darmkrankheiten : nach dem heutigen Stande der Wissenschaft / bearbeitet von I. Boas. Source: Wellcome Collection.
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![Einwirkung Die normale Peristaltik kann durch äussere und innere Ein- USSauf dSeize Wirkungen gesteigert oder abgeschwächt werden. Zu ersteren gehört Peristaltik. Kälteeinwirkung, der faradische Strom, Massage. Bei den inneren können gleichfalls mechanische, chemische, thermische, vasomotorische und centrale Heize einen grossen Einfluss üben. Von den mecha- nischen sind es besonders unverdauliche Ingesta oder auch Fremd- körper, Stenosen, ferner Parasiten; von den chemischen können ver- dorbene Nahrungsmittel und deren im Darm erfolgende Zersetzungs- produete, ferner Abführmittel eine Steigerung der normalen Peri- staltik herbeiführen. Zu den thermischen Steigerungsmitteln sind besonders kalte Getränke, oder Eis, oder auch kalte Wasserein- giessungen zu rechnen. Ferner sind Circulationsstörungen, durch Stauungen im Pfortaderkreislauf bedingt, im Stande, die Peristaltik anzuregen oder auch zu hemmen. Endlich können auch centrale Einflüsse einen steigernden Effect auf die Darmbewegungen ausüben (Crises enteriques bei Tabes, Tormina ventriculi nervosa [Kuss- maul] bei Neurasthenikern, Durchfälle bei Hysterischen u. a.). Umgekehrt können auch ähnliche Einflüsse die Peristaltik her- absetzen oder hemmen. Besonders häufig spielen mechanische Ein- flüsse bei Frauen eine grosse Rolle. Die Ketroflexio uteri ist in dieser Hinsicht nicht das einzige, aber eines der überzeugendsten Beispiele. Von thermischen Substanzen ist es die Wärmeapplication (warme Umschläge, warme CTysmata); von chemischen kann schon die Art der Ernährung sedativ auf gesteigerte Peristaltik wirken (schleimige Substanzen bei Diarrhoeen). Zu den eigentlichen die Peristaltik herabsetzenden chemischen Agentien sind besonders die narkotischen Mittel (Opium und dessen Derivate, Belladonna u. a.) zu rechnen. Ferner können auf die Verminderung der Darmsecretion wirkende Stoffe (die sogenannten Adstringentien) auch mittelbar auf die Peristaltik einwirken. Bei vielen Krankheiten der Darmschleimhaut tritt allmählich eine Herabsetzung der normalen Darmerregbarkeit ein. Bei Darm- stenose kann in Folge des lähmenden Einflusses schädlicher flüssiger oder gasförmiger Substanzen eine vorübergehende oder dauernde Parese oder Paralyse bestehen. Kreislaufstörungen im Darmbezirk wirken häufig stark hemmend auf die Peristaltik (Hämorrhoiden, Stauungen bei incompensirten Klappenfehlern u. a.). Ferner können centrale Reize, wie sie die Darmperistaltik erhöhen, die letztere auch schwächen oder hemmen (Meningitis, Gehirntumoren). Schliesslich findet man auch bei functionellen Neurosen oft starke Herabsetzung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20396004_0056.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


