Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim.
- Fürstenheim, Walter, 1879-
- Date:
- 1904
Licence: Public Domain Mark
Credit: Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim. Source: Wellcome Collection.
12/60 (page 10)
![jedenfalls scheinen die Irradiationen im wesentlichen auf reflektorischem Wege zustande zu kommen. Das Vorhandensein der hierzu notwendigen Reflexbahnen ist, unabhängig von anatomisch-physiologischen Untersuchungen, durch unsere Er¬ fahrungen bei den Neurosen der Prostata gesichert. So beob¬ achtete Socin - Burckhardt*) bei einem Neurastheniker dumpfe Schmerzen in der Tiefe des Dammes mit Ausstrahlung in den After, den linken Testikel, linken Oberschenkel, ferner in die Leisten- und Lendengegend bis hinauf zum Rippen¬ bogen, ohne dafs die aufserordentlich druckempfindliche Pro¬ stata vergröfsert war. Die Schmerzen endlich, die bei unserem Patienten nach seiner Rückkehr aus Wildungen im Becken beiderseits dicht über den Trochanteren, später auch in den Armen auftraten, haben wahrscheinlich eine andere Genese. Heute würden wir in einem solchen Fall, wenn irgend möglich, die Sektion der Knochen nicht unterlassen, seitdem uns Recklinghausen [1891.] (12) auf die Wichtigkeit der Knocheumetastasen beim Prostatakarzinom aufmerksam gemacht hat. Durch Cour- voisier’s Dissertation (13) lernen wir die Ossa ilei als typische Sitze der Knochenmetastasen kennen: unter 34 Fällen von osteoplastischem Prostatakarzinom fanden sich solche 27 mal in der Lendenwirbelsäule, 21 mal in den Ossa ilei, 23 mal im Femur, 10 mal im Humerus. Von einer Anschwellung der inguinalen Lymphdrüsen enthält unsere Krankengeschichte nichts — entsprechend den Angaben Socin - Burckhard t’s**), dafs bei dem Prostata¬ karzinom nicht so häufig als bei anderen Krebsen eine Be¬ teiligung der Lymphdrüsen vorkomme. Findet eine solche statt, so werden nach Courvoisier (13) in erster Linie die Drüsen des kleinen Beckens befallen, daun die Drüsen längs der grofsen Beckengefäfse, an dritter Stelle erst die Inguiual- drüsen. Da zwischen den letzteren und den Lymphgefäfsen der Prostata eine direkte Kommunikation fehlt, so müssen wir hier mit Socin-Burckhardt einen Fall von dem für die allgemeine Pathologie so interessanten „retrograden“ Transport von Ge- schwulstelemeuten annehmen. Die das klinische Bild iu erster Linie beherrschenden Miktionsbeschwerden entsprechen auch in unserem Fall denen bei der gewöhnlichen Hypertrophie in dem Mafse, dafs sie differentialdiaguostische Anhaltspunkte für diese oder jene Affektion kaum gewähren. Nur habe ich bei der Lektüre *) S. 496. **) S. 442.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30605210_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)