Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim.
- Fürstenheim, Walter, 1879-
- Date:
- 1904
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Credit: Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim. Source: Wellcome Collection.
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 hauptsächlich wohl auf die gleichzeitige Mitentfernung eines zufällig angetroffenen, isolierten krebsig entarteten Mittel¬ lappens zurückzuführen ist. Abgesehen von der vorsichtigen Abtragung derartiger isolierter vorspringender gestielter Knoten wird vor der operativen Inangriffnahme der krebsigen Prostata selbst in solchen vorgeschritten Fällen ausdrücklich gewarnt; nach Oraison (15) gilt hier ein striktes „Noli me tangere“. Socin - Burckhardt warnt insbesondere vor Desnos’ stückweiser Abtragung des Tumors vom Perineum aus: Der Tumor wird auf diese Weise nur zur Wucherung gereizt und wächst in die offene Dammwunde hinein: „Der Kranke ist nun schlimmer daran als vorher!“*) Aus ähnlichen Er¬ wägungen heraus hat man wohl auch bisher von einer plan- mäfsigen Verwendung der Bottini’schen Operation als Palliativverfahren beim Prostatabeckenkrebs Abstand ge¬ nommen. Socin-Burckhardt erwähnt sie nicht unter den Palliativoperationen, ebensowenig v. Frisch (55); bei der Besprechung der Differentialdiagnose von Hypertrophie und Karzinom der Prostata bemerkt Burckhardt ausdrück¬ lich aus Anlafs eines Falles, bei dem er sich durch die irrtümliche Diagnose „Prostatahypertrophie“ zu einer doppelseitigen Vasektomie hatte verleiten lassen:**) „Noch schlimmer für den Patienten wäre es gewesen, wenn ich die damals ebenfalls in Vorschlag gekommene Bottini- sche Operation gemacht hätte; denn dann wäre zu riskieren gewesen, dafs die Neubildung aus den Inzisionen heraus¬ gewuchert und die bis dahin noch intakte Blase und Harn¬ röhre in Mitleidenschaft gezogen hätte.“ In diesem Fall ist Burckhardt ohne weiteresinsofern Recht zu geben, als bei einem intrakapsulären, noch auf die Drüse beschränktem Karzinom eine totale Prostatektomie in erster Linie in Frage kommt. An eine Verwendung der Bottini’schen Operation beim Prostatakrebs kann selbstverständlich nur da gedacht werden, wo eine Radikaloperation nicht mehr möglich ist, wo ferner die Krebsgeschwulst ein hochgradiges Hindernis für die Harnentleerung abgibt, das Tragen eines Dauerkatheters nicht vertragen wird oder aus anderen, z. B. psychischen Gründen nicht angeraten werden kann, der wiederholte Katheterismus aber wegen sozialer oder sonstiger Verhält¬ nisse des Patienten (geringe Intelligenz, Ungeschicklichkeit, *) Seite 499.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30605210_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)