Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim.
- Fürstenheim, Walter, 1879-
- Date:
- 1904
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Credit: Frühdiagnose und chirurgische Behandlung des Prostatakarzinoms mit besonderer Berücksichtigung der Bottini'schen Operation als Pallativ-Verfahren ... / vorgelegt von Walter Fürstenheim. Source: Wellcome Collection.
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![Behandlung 12V2 Monate post Operationen] besteht noch keine vollständige Retention wie vor der Operation, und es ist nur 2 mal täglicher Katheterismus erforderlich. Die Einführung des Katheters aber war bis zu dem zwei Monate später er¬ folgten Tode ohne besondere Schwierigkeit möglich. Die Krankheitsdauer beträgt in diesem Fall seit dem ersten Auftreten der Miktionsbeschwerden 23/4 Jahre, übertrifft also noch die durchschnittliche Dauer. Eine Verkürzung der Krankheits- und damit der Lebensdauer durch die Operation ist also nicht anzunehmen. Sehr auffällig bleibt die starke Ausbreitung des Krebses auf die Corp. cavern. penis, mit den durch sie bedingten interessanten klinischen Erschei¬ nungen. Immerhin ist diese Form der Metastasierung nicht so selten, dafs man sie als Folge des operativen Eingriffs betrachten müfste. Courvoisier (13) hat nach sorgfältiger Sichtung der einschlägigen Literatur unter 97 Fällen 6mal ein Übergreifen des primären Krebses der Prostata auf Penis und Urethra geschildert. Vielleicht erklärt sich in unserem Fall die Propagation auf die Corp. cavern. penis entsprechend den Angaben Courvoisier’s durch das Befallensein der Samenblasen, deren Lymphnetz in direkter Verbindung mit dem der Urethra steht, während eine solche direkte lympha¬ tische Verbindung zwischen Urethra und Prostata nicht bekannt ist. Dafs durch die Operationsschnitte unmittelbar eine Verschleppung von Geschwulstelementen stattgefunden habe, ist nicht anzunehmen. Bei Berührung mit dem glühenden Messer wären die Zellen ja getötet worden. Ob die Operation indirekt durch Reizung, Gefäfseröffnung etc. zur Propagation des Tumors beigetragen habe, diese Frage läfst sich wohl diskutieren, aber nicht entscheiden. Eine besondere Erwähnung verdienen vielleicht noch die Blasen¬ steine', die sich möglicherweise um abgegangene Schorfstücke gebildet haben. Dafs diese Steine für die stärkeren Häma¬ turien in den letzten Lebensmonaten des Patienten verant¬ wortlich zu machen sind, ist nicht wahrscheinlich, da die- dieselben schmerzlos verliefen und auch schon vor der Ope¬ ration Hämaturien bestanden hatten. Zusammenfassend können wir den Einflufs der technisch nicht schwierigen und ohne besondere Zwischenfälle ver¬ laufenen Operation in diesem Falle einen recht günstigen nennen. Patieut wird auf Monate fast beschwerdefrei, so dafs er sein früheres Leben wieder aufnehmeu kann. Zirka 6 Monate besteht reichliche, schmerzlose, fast vollständige Spontaumiktion und weitere 6 Monate dauert es, bis der Status quo ante operatiouem nahezu wieder erreicht wird.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30605210_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)