Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung / von Carl Stumpf.
- Carl Stumpf
- Date:
- 1873
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung / von Carl Stumpf. Source: Wellcome Collection.
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![Was zuvörderst die Bewegungsgefühle betrifft, so sind sie gewiss unter allen Momenten, an die man denken könnte und gedacht hat, am meisten geeignet, das Verlangte zu leisten. Gleich- wohl kann ich einige Bedenken auch gegen sie nicht unter- drücken. Vor Allem will es mir wenigstens durch eigene Beob- achtung nicht gelingen, mich von der ihnen zugeschriebenen Function zu überzeugen.* Wenn ich eine Fläche z. B. ein Blatt Papier anschaue (das Auge ruhig auf einen Punct geheftet), so bemerke ich dabei nichts von Spannmigsgefühlen (oder reprodu- cirten Bewegungsgefühlen), mindestens nichts von einer so ausser- ordentlichen Menge, wie sie nöthig wären, um sämmtliche hierin enthaltenen Ortsvorstellungen hervorzurufen. Darauf liesse sich vielleicht antworten: wir denken nur jetzt nicht an diese Bewegungen, im Anfang aber waren sie bewusst. Es verhält sich damit wie mit den latenten Associationen (s. oben S. 52), wo Vorstellungen, die Anfangs bewusst waren, später nur dienen, um andere in's Gedächtniss zu rufen, indem sie selbst unbemerkt bleiben. So haben wir hier auch latente psychische Keize. Allein bei den latenten Associationen (einem übrigens selbst ziemlich dunklen Factum**) sind wir wenigstens im Stande, bei einiger Anstrengung die latenten Vorstellunge]i wieder zu ent- decken; hier bin ich bei aller Anstrengung dazu nicht im Stande. Ferner wenn wir einmal annehmen, dass bewusste Empfindungen als Ursachen in Analogie zu den physischen Ursachen nöthig sind, so müssen sie auch immer in derselben Weise nöthig sein. Die „latente Wärme einer Eisscholle bringt nichts von dem her- vor, was freie Wärme leistet. Doch setzen wir voraus, wir seien über diese Schwierigkeit hinweggekommen, so entsteht eine zweite. Es ist zwar oben vor- läufig angenommen worden, dass alle Unterschiede der Bewegun- gen, die in der That äusserst fein und exact ausgeführt werden, * Ich meine hiemit nicht, dass man ihre Causalität merken müsste; aber wohl ihre constante Verknüpfung mit Gesichtseindrücken. ** Vgl. J. Mill's Analysis. Yol. I. p. lOG. Stiiiiipf, Tlispr. (1. Uaumvoi'stelluug. 7](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2107947x_0109.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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