Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung / von Carl Stumpf.
- Carl Stumpf
- Date:
- 1873
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Credit: Über den psychologischen Ursprung der Raumvorstellung / von Carl Stumpf. Source: Wellcome Collection.
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![6. Sie werfen die specielle Frage auf, ob die von mir ange- nommenen Localzeiclien physische Bewegungsprocesse oder Em- pfindungen seien? Ich beantworte sie durch folgende Bemerk- ungen. Nehmen wir an, zu einer Zeit, in welcher das Auge eines neugeborenen Kindes bereits völlig lichtempfänglich gewesen sei, habe zum ersten Male ein heller Strahl die seitliche Netzhaut- stelle M berührt, so wird die physische Erregung von M die- jenige bestimmte Reflexbewegung m wirklich hervorgebracht haben, welche nöthig ist, um den Eindruck des Strahles von M auf die Stelle des deutlichsten Sehens überzuführen; diese Be-, weguiig m aber, indem sie geschieht, erzeugt zugleich ein Be- wegungsgefühl ,u. Beschreiben lässt sich dieses ,a nicht weiter; aber Jeder kennt es; es ist eine Art, wie uns zu Muth ist, die sich unterscheidet von der anderen Art jr, wie uns dann zu Muth ist, wenn das Auge eine andere Bewegung p ausführt, durch die ein Eindruck von der seitlichen Stelle P auf die Stelle des deut- lichsten Sehens übergeführt wird. In einem beliebigen späteren Augenblick des Lebens, nachdem die Bewegungen m und p ein- zeln schon oft ausgeführt worden sein mögen, nehme ich an, dass zwei Netzhautstellen P und M zugleich und gleich stark gereizt werden; sind dann die Bewegungen p und m, die nöthig wären, um beide Eindrücke auf die bevorzugte Stolle überzuführen, einander gerade entgegengesetzt, so wird keine Bewegung aus- geführt, da die beiden Bewegungsantriebe einander auf lieben; aber an dem Eindruck auf P, welches auch seine Farbe sein mag, haftet nmi von früher her die associirte Empfindung Ji, an dem Eindruck auf M die andere ,a; und diese beiden Empfind- migen, von denen ich voraussetze, dass sie in der von mir ge- schilderten Weise vergleichbare Glieder einer Reihe bilden, sind die Gründe, um deren willen wir den einen Eindruck auf M, den anderen aul P verlegen. Denn die Eni})fiudung ji ist in ihrer Wii'kung iuiuivalent dem Gedanken, (U'r entsprechende Heiz komme von einer Stelle P, welche zu seiner Ue])ertiihrung auf den ()i-t des (l(jutlichst(ui Sehens eine Bewegung von der Grösse nnd lliciitnng p nöthig mache; das Analoge gilt von // und M. Welclie ,imler\v(!itige physisclie l\»lge im Neivensysieni ans dem](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2107947x_0332.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)