Karl Schroeder's Lehrbuch der Geburtshulfe : mit Einschluss der Pathologie der Schwangerschaft und des Wochenbettes.
- Date:
- 1891
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Credit: Karl Schroeder's Lehrbuch der Geburtshulfe : mit Einschluss der Pathologie der Schwangerschaft und des Wochenbettes. Source: Wellcome Collection.
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![gere und kreissende Frauen oft in extremer Weise einsturmen, so wird man sich nicht wundern, dass bei einer Anzalil geistes- kranker Frauen die Entsteliung- aus dem Wochenbett sicli lier- leiten lasst.' Dass die iibrigen bei Geisteskrankheiten in Be- traclit kommenden aetiologischen Momente, also in erster Linie ErbUchkeit, fur die Entstehung im Wochenbett ebenfalls von sehr grosser Bedeutung sind, ist leicht verstandlich. Fine ungleich wichtigere atiologische Rolle spielen aber fur die puerperalen Psychosen die auf Infection beruhenden Psychosen. Es ist das. grosse Verdienst Hansen's, dies in prag- nanter Weise gezeigt zu haben. Unter 49 Psychosen, die er theils selbst beobachtete, theiis aus den Krankengeschichten kannte, konnte er 42 mal dies durchaus wahrscheinlich machen. Man kann solche FaUe mit Hansen geradezu als Infectionspsy- chosen bezeiclmen. Die puerperale Psychose tritt in verschiedenen Formen auf. In einer geringen Zahl von Fallen tritt schon in der SchAvangerschaft ein psychischer Depressionszustand ein, der im Wochenbett in reine Melaucholie tibergeht mit meist grosser Neigung zum Suicidium. Diese Falle pflegen fieberlos zu ver- laufen. Die Prognose quoad vitamist nicht schlecht; doch bleibt ein grosser Theil dieser Kranken ungeheilt oder die Heilung erfolgt wenigstens nur langsam, in V2—1 J^^^ ^^^^ langerer Zeit. Erbliche Belastung ist in diesen FaUen haufig. Die Entstehung der Psychose erfolgt wohl meist auf psychische Ursachen hin, ohne nachweisbare korperliche Krankheit. Ganz anders verhalten sich die Infectionspsychosen. Ein Prodomalstadium fehlt. Die Erkrankung tritt ziemlich plotzlich in die Erscheinung, meist zwischen dem 4ten und lOten Tage des Puerperium. Die Kranke fiebert. Bei dem Hervortreten der psychischen Krankheit treten die somatischen Storungen und Affectionen in den Hintergrund und bleiben leicht unerkannt. Welche Art von Infection bezw. korperlicher Erlvrankung ge- wohnlich zu Grunde liegt, ist noch nicht zu sagen. In manchen Fallen handelt es sich jedenfalls um die phlebothrombotische Form des Puerperalfiebers oder um ulcerose Endocarditis. Einen Fall letzterer Art beobachtete z. B. Westphal^)] einen fast gleichen Fall sahen wir. 1) Arch, f path. Anat. XX. p. 542.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21917474_0891.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


