Die Leitungsbahnen des Schmerzgefühls : und die chirurgische Behandlung der Schmerzzustände / [O. Foerster].
- Otfrid Foerster
- Date:
- 1927
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Credit: Die Leitungsbahnen des Schmerzgefühls : und die chirurgische Behandlung der Schmerzzustände / [O. Foerster]. Source: Wellcome Collection.
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![begleitenden Gefühlston. am besten bei Erkrankungen der grauen Substanz der Hinterhörner (Syri ig elie) studiert en, weil hierbei Schmerz und andere Gefühle ganz fehlen. Je stärker unter den Bedingungen des täglichen Bebens der Reiz ist. je mehr er geeignet ist. starken Schmerz zu verursachen, um so mehr tritt im psychisch samt nis die Empfindung zurück und um so stärker und präp<»nderierender rritr das Schmerzgefühl in Erscheinung. Starker ■s begleitenden Empfindungsvorgänge, der zum Schmerz führende ErregungsVorgang wirkt hemmend auf die den Empfindungen zugrunde eg< . Erreg mgs\ _ ein. Das läßt sieh schon in der Norm sein- exakt bei der Prüfung des sog. Raumsinnes nachweiseil. Das Lokalisationsvermögen für punktförmige Kontakte ist bei rein taktilen Reizen ein wesentlich schärferes als S Si kansehwelle bei Prüfung mit dem Weber’schen Tasterzirkel liegt bei letzteren um ein Vielfaches höher als bei ersteren. Bei Affektionen der Hinterhörner, speziell bei der Syringomyelie, bei der jegliches Schmerzgefühl erloschen ist, ist das Lokalisationsvermögen gleich scharf und die Simultanschwelle bei der Prüfung mit dem Weber’schen Tasterzirkel genau die gleiche, einerlei, ob mit stumpfen Tasthaaren oder mit Stachelborsten, ob mit st mpfen Zirkelspitzen oder mit haarscharfen Nadeln gereizt wird. Umgekehrt können wir aber auch feststeden. daß die den Empfindungen zugrunde liegenden Erregungen auf die Affekte und auch auf das Schmerzgefühl moderierend und hemmend einwirken. Wenn unter pathologischen Verhältnissen die Empfindungen aufgehoben sind, aber das Schmerzgefühl erhalten ist, nimmt letzteres einen abnorm heftigen Charakter an. den ich als du erpathie bezeichnet habe (s. S. 14). Das ist eson s bei leren Nervenläsionen der Fall. Bei reinen Läsionen de]'Hinter¬ stränge. bei denen das Svsteiu des cutanen Raumsinnes leidet, finden wir manchmal eine enorme Hyperpathie der Haut, derart, daß bereits leises Streichen derselben ein furchtbares Sckinerzger ihl uerv rruft. ir Das physische Korrelat des psychischen Erlebnisses des Sclnnerz- besteht in einem Erregtin gsvorgang des aff ereilten Nerven¬ systems. Wir sind ans mannigfachen, liier nicht näher zu erörternden Gründen berechtigt, von einem besonderen Schmerzsystem zu sprechen. Wir können dieses Schmerzsystem in 3 Abschnitte gliedern: E in die Rezeptoren (v. Kries», welche den peripheren algekphoren = algo- plioren Reiz aufnehmen, 2. in die diesen Schmerzreiz leitenden Nervenbahnen und 3. in die zentralen grauen Massen, in welchen der durch die Rezeptoren anfgenommene und durch die schmerz- leitenden Nervenbahnen zugeleitete Erregungsvorgang diejenige neuro- dynamische Zustandsänderung hervorruft, deren psychisches Korrelat eben das Schmerzgefühl ist. Wir bezeichnen den Reiz, welcher den Schmerz hervorruft, als Schmerzreiz. Im Allgemeinen führen zum Schmerz Reize, die so geartet sind daß sie bei ihrer Fortdauer den Organismus schädigen. Der Schmerzreiz kann mechanischer Natur sein (Stechen, Schneiden, Druck, Zerrung), er kann chemischer Natur sein (Einwirkung von chemischen Agentien auf die Haut, die Tiefenteile, die inneren Organe,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29813359_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


