Das Enge Becken : nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen / Gustave Adolf Michaelis; herausgegeben von Carl Conrad Theodor Litzman.
- Michaelis, Gustav Adolph, 1798-1848.
- Date:
- 1865
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Credit: Das Enge Becken : nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen / Gustave Adolf Michaelis; herausgegeben von Carl Conrad Theodor Litzman. Source: Wellcome Collection.
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![namentlich den Muttermund nicht mehr erweitert. Der Puls war indess ruhiger geworden. Klystier mit einigen Tropfen Opium- tinctur. ]3ald öffnete sich der Muttermund, der Kopf stand mit dem Hinterhaupte nach rechts und vorn. Nachmittags 3 Uhr der- selbe Zustand, nur klagte die Kreisende wieder über Kopfschmerz und grosse Schwäche. Dennoch waren die Wehen, die bisher sehr schwach waren, besser geworden. Auf dem Kopfe bildete sich eine grosse Kopfgeschwulst. Das Kind lebte noch. Als aber um. 5 Uhr die Wehen wieder abnahmen, das Fruchtwasser einen sehr Übeln Geruch verbreitete und die Frau einen Schüttelfrost bekam, entschloss ich mich zur Anlegung der Zange, obgleich ich bei dem hohen Kopfstande und der Zartheit des Kindes kaum eine günstige Wirkung hoffen mochte. Eben hatte ich den Praktikanten die Lage der Sache vorgestellt und wollte die Frau auf ein Querbett legen lassen^ als der Kopf in das Becken trat und sogleich geboren wurde. Das Kind, ein Knabe von 4=% Pfd., war schwach, erholte sich jedoch nach einer halben Stunde. Sein Kopf maass im Umfange 11 6', im grössten Durchmesser 4 9', im mittleren 3 9' und im queren 3. Dicht neben der Mitte der Sutura coronalis dextra auf dem Scheitelbeine war eine Marke des Promontoriums. Hinter dem linken Ohre ein Streif vom Schambeine. Die Kopfgeschwulst bedeckte die grosse Fontanelle. Leider starb das unter solchen Mühen geborene Kind schon am folgenden Morgen unter krampf- haften Zufällen. Es fand sich bei der Section in beiden Seiten- höhlen des Gehirnes ein Blutextravasat, das sich selbst bis in den dritten und vierten Ventrikel erstreckte. Die Mutter hatte ein sehr günstiges Wochenbett. Vielleicht wird man meine Unthätigkeit sowohl in der medi- cinischen Behandlung als die Zögerung, mechanisch anzugreifen, übertrieben finden. Lidess muss ich bekennen, dass ich bei so bedenklichem allgemeinen Zustande wehen treibende Mittel nie geben möchte, und dass ich die feste Ueberzeugung habe, dass durch Anlegung der Zange der Tod des Kindes nur beschleunigt wäre. Mit guten Wehen wäre Alles sicher auf das Glücklichste gelungen, und namentlich möchte ich wissen, welche Operation in solchen Fällen die Reposition der Füsse und Nabelschnur ersetzen könnte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21067375_0380.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)