Das Enge Becken : nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen / Gustave Adolf Michaelis; herausgegeben von Carl Conrad Theodor Litzman.
- Michaelis, Gustav Adolph, 1798-1848.
- Date:
- 1865
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Credit: Das Enge Becken : nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen / Gustave Adolf Michaelis; herausgegeben von Carl Conrad Theodor Litzman. Source: Wellcome Collection.
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![vielleicht einen dem L auverjat'schen ähnlichen Querschnitt machen müssen. Den Schamfugenschnitt, den ich zwei Mal bei allgemein ver- engtem Becken versäumt zu haben bedauere, konnte ich hier gegen die erklärte Abneigung des Vorstehers, Prof. W , nicht drin- gend anrathen, da er bei einfacher Verengung wenig verspricht, ausserdem selbst nach eingeleiteter Frühgeburt noch ausgeführt werden konnte. Es blieb demnach die künstliche Frühgeburt übrig, wogegen freilich die zu weit vorgerückte Schwangerschaft zusprechen schien. Indess nach der geringen Ausdehnung des Leibes, der Beweglich- keit des Kindes in der Gebärmutter schlössen w'ir auf ein unge- wöhnlich kleines Kind. Am 9. März, 10 Uhr M., leitete ich mit Einbringung eines Schwammes in den Muttermund dieselbe ein. Nach 24 Stunden wurde der Schwamm Avegen Übeln Geruches entfernt. Der Muttermund war fast 2 Zoll weit geöffnet. Den 11. März, 10 Uhr M., keine Wehen. Statt des Kopfes lag ein Fuss vor. Seitenlage rechts führte den Kopf wieder vor, worauf um 3 Uhr N. das Wasser durch Einstich der Häute entleert wurde. Es drängte sich ein Fuss bis zum Knie in den Muttermund. Ich schob ihn sogleich mit ganzer Hand zurück, worauf sich der Kopf gut auf das Becken stellte, xlbends heftige Wehen; man fühlte ein Tuber [parietale^.] im Muttermunde. Nachts dauerten die Wehen heftig fort, waren sehr schmerzhaft und erreichten am 12. März, Morgens 5 Uhr, eine ungewöhnliche Stärke. Auf den Kopf, dessen kleine Fontanelle jetzt im Muttermunde stand, waren sie ohne Wirkung. Rechte Seitenlage führte den Scheitel vor. Zwei Mal wurden Tinct. opii gtt. x gegeben; zum Aderlasse war bei weichem, häufigem Pulse (120) keine Indication. Um 9 Uhr M. entstand das Bedenken, ob die Beckenmessung auch richtig gewesen sei. Jetzt wiederholt angestellte Messungen der Conjugata diagonalis ergaben nur 3, mithin einen Unterschied, der ganz entscheidend für die Sache war. Das Becken konnte nur 2 6' CotiJ. vera haben; der Kaiserschnitt wäre die einzig indicirte Operation gewesen. Unter diesen Umständen entstand die Frage; ob nicht noch der Scharafugen- oder Kaiserschnitt zu machen sei. Professor W verwarf den ersten. Die Frau, die früher zu jeder Opera- tion bereit war, verlangte, durch die Schmerzen auf das Aeusserste gebracht, die Perforation, die wir beim lebenden Kinde zu machen verweigerten. Wir erklärten: sie müsse noch einige Stunden war- ten, dann könne perforirt oder der Kaiserschnitt gemacht werden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21067375_0386.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)