Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
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Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
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![Lymphknoten) sich findenden großen Zellformen auf ihren Ursprung zurückzuführen. Noch schwieriger wird dies hei pathologischen Zuständen (s. u.). Nach Mollier180) geht auch in den Lymphdrüsenfollikeln die Bildung der Lymphozyten von denselben Stammzellen ans, wie die der Zellen in den anderen blut- bildenden Organen, von den Hämogonien, großen, stark basophilen mononukleären Zellen, die aus dem Retikulum frei werden, doch läßt er noch unentschieden, oh etwa spezielle Lymphogonien von den Ilämogonien zu unterscheiden sind. Besonders eingehend hat sich mit dieser Frage Weidenreich in seinem größeren zusammenfassenden Werk295) und in seiner neuesten Arbeit in Verbindung mit Downey61) beschäftigt. Eine nähere Besprechung würde auf eine Wiederholung der ausführlichen Schilderung dieser Autoren hinauskommen, auf die ich somit verweisen kann. Als Resultat sei nur hervorgehoben, daß nach Weiden reich u. Downey neben der Entstehung der großen Lymphozyten der Keimzentren aus den Retikulumzellen auch noch eine Entwicklung aus kleinen Lymphozyten anzunehmen ist. Große und kleine Lymphozyten können sich mitotisch teilen, aus der Teilung der ersteren gehen kleine und kleinste Formen mit wenig Protoplasma hervor, die hier, wie an anderen Stellen unter günstigen Ernährungsbedingungen protoplasmareicher und dann wieder teilungsfähig werden [(siehe auch Dominici55), 1. c. S. 20]. Weidenreich und Do wney schildern zwar auf Grund von „Übergangs- formen“ die Bildung von Lymphozyten aus Retikulumzellen bei der Katze und in dem interfollikulären Gewebe bei Meerschweinchen, indem sie die freiliegenden Zellen, auch in den Sinus, von jenen ableiten, jedoch ohne eine Trennung zwischen „Makrophagen“ und „Lymphozyten“ zu machen. Die Verfasser sagen aber selbst (S. 380). daß die genetischen Beziehungen der großen Lymphozyten zu den fixen Retikulumzellen der Follikel weniger einfach zu übersehen seien, als im übrigen adenoiden Gewebe und in den Sinus, wo die Ablösung der sessilen Elemente, ihre phagozytische Tätig- keit leicht nachzuweisen sei. Mitosen in den Retikulumzellen haben Weidenreich und Downey selbst nicht beobachtet, doch kommen solche zweifellos häufig genug vor. (Bencla und Ribbert wiesen bereitsauf gewisse Unterschiede zwischen den Retikulumzellen und den Endothelzellen hin.) Bezüglich der Herleitung der Lymphozyten (Keimzentrumszellen) von den Reti- kulumzellen, für die es an direkten Beweisen noch fehlt, ist hervorzuheben, daß Joest und Emshof114) auf Grund ihrer sehr eingehenden Untersuchungen versichern, daß hei Meerschweinchen die Keimzentren durchaus frei von Retikulumzellen seien und nur fibrilläres Retikulum besitzen, während Retikulumzellen (Bindegewebszellen) außerhalb der Keimzentren im follikulären Gewebe sich finden. Demnach würden die Lympho- zyten (Lymphogonien) der Keimzentren nur von den vorhandenen lymphoiden Ele- menten herstammen können, während die Retikulumzellen ebenso wie die Endothel- zellen der Sinus lediglich „Makrophagen“ liefern würden. [Siehe auch Ebner86), S. 706, 712.] Oh auch unter diesen je nach ihrer Herkunft noch Unterschiede be- stehen, ist schwer zu sagen, morphologische schwerlich. Labbd129), der ebenfalls die Lymphdrüsen des Meerschweinchens untersuchte, fand in den Keimzentren sehr große Lymphozyten mit sehr zahlreichen Mitosen, da- zwischen ein sehr zartes Retikulum, dessen ungeordnete Bälkchen sehr viel feiner sind als die der konzentrischen peripherischen Schichten; Kerne werden darin nicht erwähnt. Ferner schreibt L. den großen mononukleären Zellen der Keimzentren phagozytische Eigenschaft zu, da sie zahlreiche „tingible Körper“ enthalten. Die Makrophagen der Sinus werden von den fixen Zellen hergeleitet. Ich muß nach allem, was ich gesehen habe (besonders auch in pathologisch veränderten Drüsen), die Entstehung der großen „Makrophagen“ aus Retikulum- zellen und Endothelzellen der Sinus als sicher annehmen. Die Hauptschwierigkeit besteht nach meiner Ansicht in dem Nachweis der Entstehung der kleinen Lympho- zyten s. str. aus den verschiedenen großen Zellen der Keimzentren, denn die Ab- grenzung der in Wucherung begriffenen Keimzentren von den peripherischen Lympho- zyten ist in der Regel so scharf, daß eine Neubildung der letzteren von der ersteren tatsächlich schwer erkennbar ist.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


