Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
Licence: In copyright
Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
33/80 page 33
![fassung der Zellen als sessil gewordene, aus den Gefäßen ausgewanderte Leukozyten habe ich bereits im Jahre 1901 beanstandet und habe gegen- über Ranviers Einwendungen ihre Identität mit den die Gefäße be- gleitenden adventitiellen Zellen behauptet, da diese die gleiche vakuoläre Struktur, die gleichen Kernformen und die Eigenschaft haben, sich mit Gentianaviolett metachromatisch zu färben. Sie sind dagegen nicht iden- tisch mit den Mastzellen der Amphibien und der Säuger, wie Neumann und Schreiber189) annahmen [vgl. MarchandUG)]; auch Ranvier hat sich dagegen ausgesprochen, wenn er auch beide Zellformen für ver- wandt hält. Der Ausdruck „adventitielle Zellen“ ist bekanntlich schon lange in Gebrauch für verschiedene den Kapillaren und etwas größeren Gefäßen anliegende Zellen, die auch als „Perithel“ bezeichnet worden sind * *). Ich möchte besonders darauf hinweisen, daß Waldeyer 284) in seiner bekannten Arbeit über die Bindegewebszellen eine Gruppe von rundlichen, protoplasmareichen Zellen schildert, die er vorläufig mit dem Namen Embryonalzellen des Bindegewebes — oder kurzweg Plasmazellen — be- zeichnet, eine besondere Art von Bindesubstanzzellen, die vielleicht als perivaskuläres Zellengewebe den übrigen Gruppen anzureihen seien. „Charakteristisch ist für diese Zellform, daß sie sich aus den Bindegewebs- zellen entwickeln und in einem eigentümlichen Zusammenhang mit den Blutgefäßen stehen; sie sind nämlich stets um die Blutgefäße angeordnet, die sie wie mit einer Scheide bekleiden“**). Das Vorhandensein der adventitiellen Zellen an den Gefäßen des Netzes und an anderen Stellen des Organismus, ihre morphologische Ähnlichkeit mit platten, spindelförmigen Bindegewebszellen und ihre nahe Beziehung zu den freiliegenden spindeligen und verästelten Elementen, sowie zu den rundlichen polygonalen der „Zellhaufen des Netzes“ ist leicht zu beweisen und wohl auch von den meisten Forschern, die sich mit dem Gegenstand beschäftigt haben, anerkannt. Zweifelhaft kann indes ihre Herkunft sein. Sind es Bindegewebszellen, also Reste der ursprünglichen Mesenchymzellen des Netzes, die von vornherein der Gefäßwand angehören und sich bei ihrem Aussprossen mit vorschieben und sich dann ablösen dem von verschiedenen Autoren angewendeten Ausdruck „March and sehe Klasmato- zyten“ hervorheben möchte (s. auch Maximow 1906, S. 751). Nicht zu billigen ist es, wenn Lubarschi36a); noch dazu in einem Lehrbuch für Studierende, die viel- gestaltigen Formen der wandernden Leukozyten, z. B. in der Hornhaut (die sogenann- ten „Spieße“), als „klasmatozytenähnliche Zellen“ bezeichnet. *) Der Ausdruck „Perithel“ ist jedenfalls zu vermeiden, 1. weil er etymologisch durchaus unrichtig ist, 2. weil darunter verschiedene Zellformen, besonders die Endo- thelzellen der Lymphscheiden, verstanden werden können (s. mein Referat von 1899), für die der Name ursprünglich gebraucht worden ist (Ebertli), die aber eine ganz andere Bedeutung haben. **) Ich erlaube mir hier, meine im Jahre 1901 gegebene Formulierung im An- schluß an frühere Mitteilungen zu wiederholen, „daß wir nicht umhin können, gewisse indifferente Zellformen anzunehmen, die von früh an im Bindegewebe auftreten und besonders dem Verlaufe der Gefäße folgen, von wo sie sich weiter verbreiten; diese Zellen haben die Fähigkeit, bereits normal, aber besonders hei entzündlichen Prozessen Zellen zu liefern, die in hohem Grade phagozytisch sind und durch weitere Umwandlung leukozytoide und lymphoide Zellen hervorzubringen, die sich funktionell verschieden ausbilden können. Wahrscheinlich gehören dazu (sc. zu den „indifferenten Zellen“) die Mastzellen, die Plasmazellen, die lymphoiden Zellen der kleinzelligen Infiltration und andere. Durch Übertritt in die Gefäße können diese Zellen wahrscheinlich auch echte Blutleukozyten liefern.... Wie sich diese indifferenten Zellen zu den übrigen Bindegewebszellen verhalten und ob dieselben fähig sind, seihst auch Bindegewebe zu bilden, ist noch nicht sicher zu entscheiden, jedenfalls sind die gewöhnlichen faserbildenden Zellen von jenen verschieden“ [HS), S. 130]. Verh. d. Deutsch. Pathol. Ges. XVI. 3](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


