Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
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Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
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![im Protoplasma, die schon normal, in höherem Grade bei entzündlichen Zuständen stattfindet. Bei der Neutralrotfärbung tritt der Inhalt der Vakuolen sehr deutlich in körperlicher, körniger Form hervor. Die mehr- kernigen Leukozyten zeigen bei dieser Behandlung ebenfalls kleine rot gefärbte, bei Anwendung von Methylenblau blaue Körnchen, die in der Wärme den Bewegungen der Zelle folgen*). (Arnold, eigene Beobachtung). Die Vorstellung Renauts, daß die kontraktilen Elemente aus dem serösen Inhalt der Bauchhöhle in das Netz (Peritoneum) eindringen, ruft die Frage hervor, woher die Zellen in die Flüssigkeit kommen. Viel näher liegt es, daß sowohl normal, als besonders in pathologischen Zu- ständen, der Weg der umgekehrte ist, daß die beweglichen runden Zellen aus dem Gewebe des Netzes selbst an die Oberfläche und dann in die Flüssigkeit gelangen, wo sie sich noch mitotisch vermehren können [s. auch Goldmann82)]. Die Verschleppung der von den Zellen auf- genommenen Substanzen in die regionären Lymphdrüsen ist eine bekannte Tatsache. *) Die französischen Histologen haben eine auffallende Neigung zur Annahme von zusammenhängenden „Plasmodien“ mit eingestreuten Kernen, so auch im Netz. Ran vier sprach bereits von einem endothelialen Plasmodium; Retterer, Dominici stellen sich das ganze Netzgewebe gewissermaßen als eine zusammenhängende plasmo- diale Masse vor, die sich in eine Anzahl von „Spezialplasmodien“ sondert, das der fixen Bindegewebszellen oder retikuliertes Plasmodium, das der perivaskulären Zellen Renauts, das der vasoformativen Zellen, der endothelialen Zellen der Gefäße, das der Oberflächenendothelien und sogar ein solches der Fettzellen. Retterer spricht sogar von einem für gewöhnlich unsichtbaren Plasmodium in der PTmgebung der Zellhaufen (Taches laiteuses), aus welchem durch Knospung isolierte Zellen sich herauslösen können. Diese verschiedenen Plasmodien hängen vielfach untereinander zusammen, da sie nach der Auffassung der Autoren alle desselben bindegewebigen Ursprungs sind. Ich kann mich dieser etwas diffusen Anschauungsweise nicht anschließen. Das Oberflächenendothel, die Deckzellenschicht besteht von der ersten Entwicklung an aus getrennten Zellkörpern und wenn diese auch durch feine Verbindungen miteinander Zusammenhängen, so bedingt das noch nicht den Charakter eines Plasmodium, bei dem keine Zellgrenzen vorhanden sind. Solche Plasmodien können durch nachträg- liches Zusammenschmelzen von ursprünglich getrennten Zellen hervorgehen. Anderer- seits können ursprünglich zusammenhängende Protoplasten, die ein Synzytium bilden, auch bei weiterer Entwicklung und Differenzierung durch anfängliche Protoplasma-, später fibrilläre Verbindungen in Verbindung bleiben, ohne deswegen ein „Plasmodium“ zu bilden, bei dem man in der Regel an ein nicht differenziertes Protoplasma denkt. Allerdings ist der Sprachgebrauch nicht einheitlich; auch die Bonnetsche Unterschei- dung von „Symplasma“ und „Synzytium“ hat dem nicht abgeholfen. Als eine diffuse Protoplasmaschicht vermag ich die Deckschicht mit den scharf begrenzten Zellplatten nicht anzusehen, ebensowenig die fixen Bindegewebszellen, wenn sie auch durch ihre Ausläufer anastomosieren und später durch Fibrillen dauernd Zusammenhängen können. Den durchsichtigen farblosen Rest, der nach der Differenzierung zurückbleibt, als Hyaloplasma im Gegensatz zu dem färbbaren chromophilen, retikulierten oder körnigen Protoplasma zu bezeichnen, scheint mir nicht richtig, denn er ist nicht mehr Zellsub- stanz, sondern amorphe Grundsubstanz, serös oder schleimig. Von Plasmodien kann beim Omentum erst im Entzündungszustand die Rede sein, da erst hier die großen, zarten, flach ausgebreiteten, fein vakuolären Protoplasmamassen, die oft durch Aus- läufer miteinander in Verbindung stehen, auftreten (s. die Abbildung bei Dominici). Neben den sogenannten Plasmodien finden sich im Bindegewebe freie bewegliche oder ruhende Rundzellen, die unter gewissen Umständen sehr beweglich und kon- traktil werden können, die der Form nach den kleinen und großen Lymphozyten des Blutes und der Lymphe entsprechen, aber von Dominici und anderen französischen Autoren direkt als Bindegewebszellen oder als ,„Cellules lympho-conjonctives“ bezeichnet werden. Sie sollen erstens aus freien Zellen (Lymphozyten des Bindegewebes und der Flüssigkeit) in den serösen Höhlen, zweitens aus Plasmodien, die in normalem Zu- stande nicht sichtbar sind, drittens aus differenten Bindegewebsplasmodien, auch aus Endothelzellen des Netzes entstehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


