Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
Licence: In copyright
Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
44/80 page 44
![lierenden Blute oder während oder nach der Auswanderung, halte ich nicht für wahrscheinlich, wenn man auch mit Gull and87) und Uskoff281) die ersteren für die Jugendformen der farblosen Blutzellen überhaupt halten darf. Dafür spricht auch die bekannte, neuerdings durch genaue Zählungen durch D. Rabinowitsch212) bestätigte Tatsache, daß die ungranu- lierten Lymphozyten im Blute bei Kindern bis zu 15 Jahren in sehr viel größerer Zahl (bis 50°/0) sich finden, als bei Erwachsenen. Das ist jedoch nicht so aufzufassen, daß im Blute der letzteren jeweils in der Zeiteinheit mehr einkernige Zellen in mehrkernige umgewandelt werden, sondern es ließe sich so erklären, daß in den blutbildenden Organen (Knochenmark, Milz) nur ein kleinerer Prozentsatz der Lymphozyten die weitere Umwand- lung in Myelozyten durchmacht. Dadurch ist selbstverständlich eine Um- wandlungsfähigkeit der granulierten Leukozyten in der Zirkulation in bezug auf die Form der Kerne, als eine Art Alterserscheinung nicht ausgeschlossen, auf die man bereits so weitgehende Schlußfolgerungen aufgebaut hat [Arneth7a)]. Wie weit die Beobachtungen Neumanns187), daß beim Frosch aus dem Knochenmark fast ausschließlich Lymphozyten dem Blute zu- geführt werden, während im zirkulierenden Blut die polymorphkernigen meist überwiegen, sich auf die Säuger an wenden lassen, ist fraglich, da die einkernigen Zellen der Amphibien sich in mancher Hinsicht von denen der letzteren unterscheiden. Von besonderer Wichtigkeit scheint mir in dieser Beziehung der von Löwit135) immerhin mit der nötigen Vorsicht aus den Zahlenverhält- nissen gezogene Schluß, daß eine extramedulläre Entstehung von polynu- kleären granulierten Zellen bei Kaninchen und Meerschweinchen aus großen mononukleären Zellen vorkommt. Auch der erwähnte Nachweis feiner Granula in den mononuldeären Zellen durch Nägeli dürfte, wie erwähnt, vielleicht in ähnlicher Weise zu deuten sein. Im embryonalen Gewebe würde die gleiche Umwandlung aus den indifferenten Lymphoplasten an- zunehmen sein. Für die Herkunft der granulierten Leukozyten aus in- differenten Leukoplasten, nicht bloß von Zellen des Knochenmarkes, sondern auch im perivaskulären Gewebe von Thymus und Leber, wahrscheinlich auch in anderen Organen des menschlichen Fetus, hat sich auch Brow- ning36) (unter Muir) ausgesprochen. Spricht man den Lymphozyten jede weitere Entwicklungsfähigkeit ab, wie es tatsächlich hier und da geschieht, so versteht man nicht, wo- durch der zuweilen enorme Verbrauch von Leukozyten, wie er in Zeit von wenigen Tagen bei der Ablagerung eines entzündlichen Exsudates von 1 Kilo und mehr Gewicht, z. B. in einer fibrinösen Pneumonie, statt- findet, gedeckt wird (vgl. die Schätzung der Leukozytenmenge in meiner Wundheilung S. 61), da die Neubildung von Knochenmarkzellen durch Teilung in solchen Fällen keineswegs sehr hohe Grade erreicht, wenn sie auch nachweisbar ist [s. Muir184)]. Milz und Lymphdrüsen sind oft genug durch Schwellung beteiligt. Besondere Berücksichtigung erfordern noch die Mastzellen und die eosinophilen Zellen. Was die ersteren anlangt, so ist ihre sehr große Verbreitung bei verschiedenen Tieren (Amphibien und Säugern, besonders bei den Nagern, Ratte, Maus und anderen), weniger reichlich beim Men- schen, eine bekannte Erscheinung. Daß sie nicht zu den fixen Binde- gewebszellen, sondern zu den sogenannten Leuko- oder lymphozytoiden Zellen gerechnet werden müssen, ist wohl unbestreitbar, ebenso (laß sie nicht durch Einwanderung aus dem Blut in die Gewebe gelangen, sondern](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


