Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
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Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
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![Da aber die Plasmazellen keine von vornherein als solche im Gewebe existierende Zellart sind, sondern durch Umwandlung unter gewissen Ein- wirkungen entstehen, so ist selbstverständlich, daß ihr Charakter nicht in allen Zellen gleichmäßig ausgebildet ist und daß Verschiedenheiten in der Kernform und der Beschaffenheit des Protoplasma Vorkommen. Es ist also eine etwas willkürliche, aber vielleicht zweckmäßige Abgrenzung, wenn man den Namen Plasmazellen nur auf die charakteristische aus- gebildete Form an wendet, neben der jüngere Stadien, Teilungsformen der Kerne, Degenerationsformen in Betracht kommen. Eine besondere Unterscheidung von lymphozytären und lymphoplastischen Plasmazellen [Scliridde254)J oder von großkernigen und kleinkernigen, von denen die ersteren dem Unna sehen, die letzteren dem Mar schal kö sehen Typus entsprechen sollten [Almkvist4)], dürfte kaum zweckmäßig sein [Schle- singer246)]. Noch weniger die durch Iiodara vorgeschlagene Unter- scheidung von echten (Un na sehen) Plasmazellen und „Pseudoplasmazellen'4. Die Plasmazellen haben also sehr viel von ihrer vermeintlichen Spezifi- zität verloren, denn sie haben nur die Bedeutung von Lymphozyten, die durch Aufnahme von reichlichem eiweißartigem Material eine hypertrophische Entwicklung erfahren haben. Die Vergrößerung der Zellen kann dabei eine sehr bedeutende werden, wobei eine Teilung der Kerne bis zu vier, sechs und mehr ohne Zellteilung eintreten kann, während andererseits eine Zellteilung durch Mitose zur Vermehrung an Ort und Stelle führt. Die daraus hervorgehenden Tochterplasmazellen (Unna) sind in der Regel kleine Formen, die wieder heranwachsen können. Unna läßt ferner kleine atrophische Plasmazellen durch regressive Veränderung entstehen. Bilden die Plasmazellen, wie es gewöhnlich der Fall ist, größere Häufchen, besonders in der Umgebung der Gefäße, so nehmen die großen Zellen die Peri- pherie, die kleineren die Mitte ein, was Unna durch die Bildung der Tochterzellen von den größeren histiogenen Zellen aus erklärt, während andere, unter der Voraussetzung einer Entstehung durch Auswanderung, den umgekehrten Weg annehmen. Diese Erscheinung erklärt sich ebenso- gut durch die Wucherung vorher vorhandener perivaskuläre'- (adventi- tieller) Zellen. Zeichen einer besonders gesteigerten Auswanderung von Lymphozyten aus den Gefäßen (Randstellung, Durchtritt durch die Wand), die die oft enorme Anhäufung erklären würden, sind in solchen Fällen nicht nachweisbar. Was die feinere Struktur der Plasmazellen anlangt, so unterschied Unna — ähnlich, wie früher Leydig in der Zelle ein Spongioplasma und ein Hyaloplasma an- nahm, das die Hohlräume des ersteren ausfüllt — ein Spongioplasma und ein Grano- plasma*), dessen chemische Natur er durch ausgedehnte Untersuchungen festzustellen suchte. Auf Grund der Löslichkeit in verschiedenen Agentien (Kochsalzlösung, Bor- säure, Ferrozyankalium, Chlorbaryum, Plumb. acet.) kommt Unna zusammen mit Golodetz 279) zu dem Ergebnis, daß das Granoplasma oder die Zytose eine Akro-Deutero- al bum ose darstellt [vgl. auch die neue Monographie Unnas279a)]. Die durch Lösung extrahierte Substanz stimmt färberisch überein mit dem Granoplasma und dem Nukleo- lin, ist aber verschieden von den Kernsubstanzen. Mit der Auflösung des Granoplasma, die schon in der Odemflüssigkeit Vor- kommen kann, hängt das Auftreten ungefärbter Waben (Vakuolen) im Zelleib, schließ- lich gänzlicher Schwund desselben zusammen, wodurch sich w’ohl auch die verschie- denen Ansraben über die mehr oder weniger krümelige, selbst vakuoläre Beschaffenheit erklären, während in anderen Zellen das Protoplasma fast homogen ist und nur den hellen Hof um den Kern frei läßt. Das Granoplasma ist nach Unna ferner ausge- *) Dieser Name kann zu Verwechslung mit dem älteren „Granuloplasma“, d. h. granuliertes Protoplasma zum Unterschied von Hyaloplasma, Veranlassung geben und wäre daher besser durch einen anderen zu ersetzen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


