Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand.
- Felix Jacob Marchand
- Date:
- 1913
Licence: In copyright
Credit: Über die Herkunft der Lymphozyten und ihre Schicksale bei der Entzündung / Felix Marchand. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
53/80 page 53
![Neuerdings konnte icli durch Pyroninfärbung auch das reichliche Auftreten von Plasmazellen in den sehr gelockerten Follikeln und Mark- strängen feststellen, wobei ich erwähne, daß in Zellen, die die deutlichen Charaktere von Plasmazellen hatten, sich ziemlich reichliche Pestbazillen fanden, also ein Beispiel von Zytophagie durch Plasmazellen. Einzelne kleinere Drüsen zeigen eine fast noch reichlichere Anhäu- fung großer, meist polygonaler, dicht aneinander gelagerter Zellen in den Lymphgängen, in denen die Phagozytose vermutlich wegen Mangels an Lymphozyten zurücktritt. Später können derartige Drüsen ganz veröden [Poscharissky, Kischensky 123)J. Sehr eigentümlich ist das Verhalten der stark hämorrhagisch infil- trierten Drüsen beim Milzbrand; die Struktur der Drüse ist kaum noch als solche erkennbar, so vollständig durch dicht gedrängte rote Blut- körperchen eingenommen. Dazwischen finden sich verstreut und in Häuf- chen ziemlich große rundliche, stark basophile Zellen, jedoch mit großem hellem Kern mit feinen Chromatinnetzen [s. auch Labbe129)]. Die Veränderung der Drüsen beim Typhus ist ebenfalls durch die Anhäufung der schon den älteren Forschern (Hoffmann u. a.) bekannten großen polygonalen Zellen in den Lymphbalmen ausgezeichnet (sogenannte „Typhuszellen“ Rindfleisch 233*1), Siredey, Saltykow241), Mallory140)). Dieselben Elemente sind es, die die Hauptmasse des Infiltrates der solitären Follikel und der Plaques des Ileum sowie der ganzen um- gebenden Schleimhaut bilden. Da eigentliche Lymphsinus liier fehlen, so lassen sich diese stark phagozytischen Zellen wohl nur auf eine Wuche- rung der Retikulumzellen zurückführen, an der aber auch die Endothel- zellen der Lymphgefäße teilnehmen. Die Bildung der Lymphozyten tritt auch hier sehr zurück, so daß in der ausgebildeten markigen Schwellung die Follikel nur als unregelmäßige kleine dunkelkernige Häuf- chen erkennbar sind. An die fortschreitende Nekrose und Fibrin- ausscheidung schließt sich stärkere Invasion von multinukleären Leuko- zyten an. Auch die Veränderung der Lymphdrüsen bei der Tuberkulose, die erst neuerdings durch die sehr eingehenden Untersuchungen von Joest und Emshof114) von den ersten Anfängen an verfolgt sind, gehe ich nicht näher ein, erwähne jedoch, daß die beiden Autoren als erste Ver- änderung die Bildung kleiner großzelliger Herde — Retikulumzellen — nachweisen konnten. Durch Überhandnehmen der großzelligen Wuche- rung, fortschreitende Nekrose und Bindegewebsentwicklung tritt die Lym- phozytenproduktion vollständig zurück. Die Lymphozyten werden, wie Joest und Emshof annehmen, durch das Tuberkelvirus primär am stärksten geschädigt, während zugleich eine Wucherung der Zellen des Retikulum durch „formative toxische Reizung“ herbeigeführt wird*). Die Frage des Verhältnisses jener Zellen zu den sogenannten Epi- theloidzellen bei der Tuberkulose bedarf kaum einer besonderen Erörterung; der am besten ganz zu vermeidende Name Epithelioidzellen bezeichnet nichts anderes als die bei den verschiedensten infektiös-entzündlichen Zu- ständen aus Bindegewebs- und Endothelzellen hervorgehenden großen Zellen, die durch Aneinanderdrängung epithelähnliche, d. h. polygonale Formen annehmen können. Daß die Plasmazellen von jenen Elementen zu trennen sind, ist unter anderen durch Just12la) nachgewiesen. *) Die erste Entstehung des Tuberkels in Gestalt des „Epithelioidzellentuberkels“ gegenüber dem „Lymphoidzellentuberkel“ ist hierdurch zweifellos erwiesen. In bezug auf die Tuberkulose muß ich im übrigen auf das nachfolgende Referat verweisen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22459819_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


