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Credit: Studien über Hysterie / von Jos. Breuer und Sigm. Freud. Source: Wellcome Collection.
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![während der Analyse bringt einen praktischen Übelstand mit sich, mit welchem man den Kranken sollte aussöhnen können. Es ist ja ganz unmöglich, eine Analyse eines Symptoms in einem Zuge vorzunehmen oder die Pausen in der Arbeit so zu verteilen, daß sie gerade mit Kuhe- punkten in der Erledigung zusammentreffen. ^Vielmehr fällt^die Unter t brechung, die durch die Nebenumstände derS.Behandlung, die vor- gerückte Stunde u. dgl. gebieterisch vorgeschrieben wird, oft an die ungeschicktesten Stellen, gerade wo man sich einer Entscheidung nähern könnte, gerade wo ein neues Thema auftaucht. Es sind dieselben Übel- stände, die jedem Zeitungsleser die Lektüre des täglichen Fragmentes seines Zeitungsromanes verleiden, wenn unmittelbar nach der ent- scheidenden Rede der Heldin, nach dem Knallen des Schusses u. dgl. zu lesen steht: (Fortsetzung folgt). In unserem Falle bleibt das auf- gerührte, aber nicht abgetane Thema, das zunächst verstärkte und noch nicht erklärte Symptom, im Seelenleben des Kranken bestehen und belästigt ihn ärger vielleicht, als es'sonst^der^Fall^war. Damit muß er sich eben abfinden können; es^läßt sichJnichb]anders einrichten. Es gibt überhaupt Kranke, die während einer solchen Analyse das einmal berührte Thema nicht wieder loslassen können, die von ihm auch in der Zwischenzeit zwischen zwei Behandlungen obsediert sind, und da sie doch allein mit der^ Erledigung ^nicht weiter kommen, zu- nächst mehr leiden als vor der Behandlung. Auch solche Patienten lernen es schließlich, auf den Arzt zu warten, alles Interesse, das sie an der Erledigung des pathogenen Materiales haben, in die Stunden der Behandlung zu verlegen, und sie beginnen dann, sich in den Zwischen- zeiten freier zu fühlen. Auch das Allgemeinbefinden der Kranken während einer solchen Analyse erscheint der Beachtung wert. Eine Weile noch bleibt es, von der Behandlung unbeeinflußt, Ausdruck der früher wirksamen Faktoren, dann aber kommt ein Moment, in dem der Kranke „gepackt, sein Interesse gefesselt wird, und von ab gerät auch sein Allgemein- zustand immer mehr in Abhängigkeit von dem Stande der Arbeit. Jedesmal, wenn eine neue Aufklärung gewonnen, ein wichtiger Ab- schnitt in der Gliederung der Analyse erreicht ist, fühlt sich der Kranke auch erleichtert, genießt er wie ein Vorgefühl der nahenden Befreiung; bei jedem Stocken der Arbeit, bei jeder drohenden Verwirrung wächst](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21032427_0274.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


