Zur Anatomie der gesunden und kranken Linse / von Otto Becker ; unter Mitwirkung von J.R. Da Gama Pinto und H. Schäfer.
- Becker, Otto Heinrich Enoch, 1828-1890.
- Date:
- 1883
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Credit: Zur Anatomie der gesunden und kranken Linse / von Otto Becker ; unter Mitwirkung von J.R. Da Gama Pinto und H. Schäfer. Source: Wellcome Collection.
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![horizontaler Halbirung des Auges die Linse luxirt war, oder dass sie zerbröckelt u. s. w., so dass sie für die weitere feinere Untersuchung nicht mehr zu verwenden ist. Es wird daher immer rathsam sein, sehr seltenes und des- halb sehr kostbares Kataraktmaterial in der ersten Weise für die Einbettung zu präpariren. Dass man bei der Schnittuntersuchung von Katarakten im Auge gleich- zeitig über die anatomischen Yerhältnisse der Kachbar- theile höchst wichtige und zum Theil überraschende Aufschlüsse erhält, wird sich aus verschiedenen Stellen des Buches ergeben. Die aus früherer Zeit herrührenden Linsenschnitte meiner Sammlung sind aus freier Hand ohne und mit Ein- bettung geschnitten. Nach dem, was wir anderwärts von den Leistungen der Mikrotome gesehen hatten, konnten wir uns lange nicht davon überzeugen, dass für die Unter- suchung des Auges und besonders der Linse von ihnen viel zu erwarten sei. Erst die Erfolge, welche Thoma mit seinem Mikrotom erzielte, bekehrten mich. Mit dem Thoma’schen Mikrotom grösserer Konstruktion ist dann die Mehrzahl der Präparate angefertigt, welche den folgenden Mittheilungen zu Grunde liegen. ZWEITES KAPITEL. ) ZUE ANATOMIE DEE GESUNDEN LINSE. I. Entwicklung der Linse. 1. Seit Huschke (1832) und Remak (1855) stimmen alle Beobachter darin überein, dass die erste Linsenanlage bei Wirbelthieren in einer Verdickung des Ektoderms besteht. Dagegen weichen die Ansichten darüber von einander ab, ob bei der weiteren Entwicklung aus einem ursprünglich soliden Zellhaufen durch Einschmelzen der central gele- genen Zellen eine hohle Blase sich bildet, wie Goette bei der Unke, J. Arnold beim Rinde beobachtet hat, oder ob durch Einstülpung und spätere Abschnürung eine von An- fang an hohle Blase entsteht. Letzterer Vorgang wdrd von Kö 11 iker für Tintenfische, von Vogt, Remak, Schenk für Fische, von Remak und Bar kan für den Frosch, von Huschke, Remak, Heule und His für das Huhn, von Kessler und Kölliker für Säugethiere, und zwar für Schaf, Hund, Maus und Kaninchen, vertreten. Eine vermit- telnde Stellurig nimmt Mihalkovics ein, welcher angiebt, dass sich beim Kaninchen nur die innere Lage des Ekto- derms, das Sinnesblatt Strick er’s, einstülpe und die in der Höhlung beobachteten Zellen, die sich aufhellen und unter Zugrundegehen der Kerne bei dem Auswachsen der hinteren Linsenwand zerfallen, von der äusseren Lage des Ektoderms abstammen. Die Bestimmtheit, mit welcher J. Arnold und Kess- ler ihre einander widersprechenden Anschauungen aufrecht halten, lässt es denkbar erscheinen, dass bei verschiedenen Säugethieren Verschiedenheiten in der ersten Anlage Vor- kommen. His sagt (45, I, pag. 147) geradezu, die embryo- logische Erfahrung habe genügend bewiesen, dass ein ge- nauer Parallelismus der Entwicklung bei verschiedenen Klassen und Ordnungen des Wirbelthierreiches nicht bestehe. Für den menschlichen Embryo nimmt His (45,1, pag.49) eine blasenförmige Einstülpung mit offenem Zugang an und bildet die Linse eines 7,5 Mm. langen Embryo demgemäss ab (45, I, Atlas Taf. IV, Fig. 11—13). Damit in Ueber- einstimmung befinden sich Kessler (50, pag. 19), der die trichterförmige Einstülpung bei einem 3 Wochen nach der letzten Menstruation ausgestossenen menschlichen Fötus bei Lupenvergrösserung beobachtete, und von Bambeke (7, pag. 9), welcher angiebt, dass bei seinem Fötus, dem er ein Alter von 4 Wochen zuschreibt, der kurze, dicke I Stiel, mittelst welches die Linse noch mit dem Hornblatt I zusammenhing, eine trichterförmige Oeffnung gehabt habe, j Ritter (82, pag. 145) dagegen erklärt bestimmt, dass der i schmale Stiel der Linse seines 5 wöchentlichen Embryo I kein Lumen dargeboten habe, während die Linse selbst j eine kleine Höhlung zu haben schien. ] Für unsere Zwecke ist die Uebereinstimmung aller Beobachter von grösserem Interesse, dass die Linse zii einer gewissen Zeit in allen Wirbelthieren und auch beim Men- schen (Kölliker 56, pag. 637) eine geschlossene Blase mit flüssigem Inhalt darstellt, deren Wand aus mehreren Schichten von Epithelzellen besteht. Damit ist die erste Periode der Linsenentwicklung abgeschlossen. Die Zeit, zu welcher dies eintritt, lässt sich einiger-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22413406_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


