Die Kamerun-küste : Studien zur Klimatologie, Physiologie und Pathologie in den Tropen / von Friedrich Plehn ; mit 47 abbildungen im text und 1 karte der Kamerun-küste.
- Plehn, Friedrich, 1862-1904.
- Date:
- 1898
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Credit: Die Kamerun-küste : Studien zur Klimatologie, Physiologie und Pathologie in den Tropen / von Friedrich Plehn ; mit 47 abbildungen im text und 1 karte der Kamerun-küste. Source: Wellcome Collection.
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![(Sorghum) an ihre Stelle, welche nach Osten hin bis zur Küste des In- dischen Oceans eine der hervorragendsten Stellen unter den Feldfrüchtcn der Eingeborenen einnimmt; das Kamerungebirge ist in der entsprechenden Höhe nicht mehr dauernd bewohnt. Auch Yams (Dioscorea), Pisang, Koko, Colocasia und namentlich Mais gedeihen im Hochland. Letzterer sowie Hirse und Bohnen bilden in demselben die Hauptnutzpflanzen. Von den für den menschlichen Haushalt in Betracht kommenden Hausthieren sind Piinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner und Enten im ganzen Kamerungebiet häutig, auch Tauben halten sich gut. Milch wird, im Gegensatz zum Binnenlande und zur Ostküste Afrikas, iiicht gewonnen, da die Eingeborenen sich scheuen, das halbwild im Busch sich herumtreibende Vieh zu melken. Ebensowenig ist von regelrechten Schlächtereien die Rede. Wer von einem der Eingeborenen ein Stück Schlachtvieh erstanden, dem liegt es zunächst ob, sich dasselbe unter Führung des Besitzers selbst im Busch aufzusuchen und zu erlegen. Die von den Eingeborenen eifrig betriebene Fischerei liefert ziemlich ]-eichlichen Ertrag; die Gebirgsbäche und das Meer enthalten zahlreiche essbare und auch für den Europäer schmackhafte Arten; in den dem Tiefland angehörigen Unterlaufen der Flüsse sind solche selten. Von besonderem hygienischem Interesse sind die speciellen klimati- schen Verhältiiisse einer tropischen Kolonie. Leider ist die Zahl der Oertlichkeiten in Kamerun, an welchen seit genügend langer Zeit exakte meteorologische Beobachtungen angestellt sind, sehr klein; es sind Ka- merun selbst, Victoria am Fuss des Gebirges und die Jaundestation, 770 m hoch im südlichen Theil des Schutzgebiets bereits auf dem Pla- teau gelegen. Kurze Beobachtungsreihen haben wir ausserdem von Ball- burg 1340 m hoch im Grasland des nördlichen Theils der Kolonie, von der Barombistation am Nordostabhang des Kamerungebirges in ca. 320 m Höhe, Buea ca. 920 m hoch im südöstlichen Theil desselben gelegen, sowie von Edea ca. 80 km von der Küste am Fuss der ersten Terrasse des Plateaus, aber noch in der Tiefebene am Sannaga gelegen. Aus dem südlichsten Theil des Küstengebiets der Kolonie fehlen Beobachtun- gen leider gänzlich; gerade hier, wo sich der üebergang zu dem süd- hemisphärischen Typus vollzieht, der in dem 50 geographische Meilen südlich von Kamerun gelegenen Gabun bereits so vollkommen ausgeprägt ist,'dass die Regenzeit daselbst mit der kameruner Trockenzeit zeitlich zusammenfällt, wären Beobachtungen von grosser Wichtigkeit. Im übrigen sind die vorhandenen Beobachtungsreihen, welche sich in Kamerun selbst nachgerade bereits über einen Zeitraum von 8 Jahren erstrecken, für eine Beurtheilung der betreifenden Verhältnisse vom hygienischen Standpunkt aus immerhin genügend. Als klimatische Faktoren von der grössten hygienischen Bedeutung bespreche ich zuerst Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und -Bewegung, Niederschläge, Luftdruck; von geringerem Einfluss auf das Wohlbefinden sind Bewölkung und strahlende Wärme, Bodenstrahlung und Boden- temperatur. Trotz der Nähe des Aequators ist die Lufttemperatur in Kamerun keineswegs eine excessive, im ganzen anscheinend nicht so hoch wie unter gleichen Breiten an der Ostküste, wie überhaupt die Isothermen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21072607_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)